Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
www.rda.de > News & Presse > Nachrichten > Detail Topnachricht Bustourismus
03.07.2018

RDA-Pressegespräch: Urlaubssteuer und Seidenstraße im Fokus

Im Gespräch mit der Presse: v.l. Dieter Gauf, Nabijon Kabirov, Benedikt Esser, RDA-Vizepräsident Heinrich Marti und Annette Heinemann, RDA-Pressereferentin.

Traditionell nutzt der RDA die Gelegenheit am ersten Tag der RDA Group Travel Expo zu einem Pressegespräch. RDA-Präsident Benedikt Esser war es eine ganz besondere Freude Nabijon Kasimov, Botschafter der Republik Usbekistan, zu begrüßen.

Botschafter Kasimov informierte über die neue Seidenstraße und zahlreiche weitere sehenswerte Städte und Attraktionen. Usbekistan sei mit Direktflügen gut erreichbar und dann mit dem Bus wunderbar zu entdecken. Außerdem werde Reisen nach Usbekistan ab dem 1. August ungleich einfacher, da dann elektronische Visa eingeführt werden.

Benedikt Esser informierte dann über zwei „historische Ereignisse in Deutschland“ in der letzte Woche. „Über das eine, ich sage nur Kasan, ist schon fast alles gesagt und geschrieben worden, über das andere noch nicht“, so Esser.

„Am letzten Freitag hat im Deutschen Bundestag erstmals eine Anhörung zum Thema Gewerbesteuerliche Hinzurechnung stattgefunden. Mit einem Ergebnis, dass hoffen lässt. Der Stein, den wir im letzten Jahr ins Rollen gebracht haben, ist nun krachend im Bundestag angekommen. Das Thema wurde per Abstimmung federführend in den Finanzausschuss überwiesen und nun kommt Schwung in die Sache“, führte Esser aus.

Die „Gewerbesteuerlichen Hinzurechnung des Hoteleinkaufs“ ist eines der drängendsten Branchenprobleme. Seit der Gewerbesteuerreform werden angemietete Objekte wie Ladenflächen, Büros oder Produktionsflächen der Gewerbesteuer hinzugerechnet.

Die Finanzverwaltungen behandeln aber per Auslegung des Gesetzestextes auch Unterkunftsleistungen der Reiseveranstalter in dieser Form. Der Einkauf von Hotelbetten wird wie Anlagevermögen bewertet. Das ist eine fatale Fehlinterpretation. Sie treibt nicht nur die Steuerlast deutlich in die Höhe. Sie verzerrt auch massiv den Wettbewerb, weil sie z. B. für Hotelvermittlungsplattformen wie HRS oder Reiseveranstalter mit Sitz im Ausland nicht gilt, selbst wenn sie im deutschen Markt tätig sind.

Ein Urteil hat erstinstanzlich keine Klarheit gebracht. Das Gericht hält die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung in Teilen für zulässig – und zwar nur für den so genannten Nettokaltmietanteil. Esser: „Das Urteil hat in seiner Praxisferne gezeigt, dass das Thema auf politischer Ebene gelöst werden muss. Das war für uns der Anlass, eine Allianz mit den touristischen Verbänden asr, BTW, DRV und DTV zu schmieden. Allen Entscheidern war zu Beginn klar, dass das kein Spaziergang werden wird.“

Die kleinen und mittleren Unternehmer, das Rückgrat der Branche, sind die Hauptleidtragenden der Urlaubssteuer. Viele können ihren Unternehmenssitz nicht ins Ausland verlagern. Dies betrifft insbesondere die überwiegend im regionalen Umfeld agierenden Busunternehmer und Busreiseveranstalter. „Nach unseren Berechnungen droht 25 % der Branche der Marktaustritt, sprich die Insolvenz. Weiterhin ist die Unternehmensnachfolge gehemmt, da latente Steuerlasten den Unternehmenswert belasten können und somit den anstehenden Generationen-wechsel auch in gesunden familiengeführten Unternehmen erschweren.“

So starteten die Verbände im November 2017 mit einer Kampagne und gaben dieser Steuer den zutreffenden Namen „Urlaubssteuer“. Esser weiter: „Erstaunlich war bei der Anhörung am Freitag, dass der von uns geprägte Kampagnenbegriff Urlaubssteuer von den Abgeordneten fast aller Fraktionen übernommen wurde. Ebenso unsere geballten Argumente gegen die Urlaubssteuer. Die Politiker waren fast einhellig der Meinung, dass die gewerbesteuerliche Hinzurechnung nicht die Tourismusbranche treffen sollte und der Bogen zu weit gespannt wurde. Selbstkritisch wurde erkannt, dass eine Klärung durch den Bundestag überfällig ist und eine politische Klarstellung notwendig. Knapp 8 Monate später können wir also erfreut sagen, die politischen Gespräche und Aktivitäten zeigen Wirkung. Und ich bin außerordentlich erfreut, dass man mit der geballten Power der touristischen Verbände etwas erreichen kann. Lobbyarbeit lohnt sich langfristig!“

Außerdem informierte der RDA-Präsident über die weitere politische Interessenvertretung. Dabei hat sich der RDA auf touristische oder busverkehrspolitische Themen fokussiert, bei denen die Kompetenzen des RDA gefragt und die ureigenen Interessen der Mitglieder berührt sind. Hier haben sich vor allem die nationalen und europaweiten Netzwerke, wie bspw. mit der EACT, der European Alliance for Coach Tourism, bewährt.

 

Das Thema Urlaubssteuer spielte auch in der anschließenden Berichterstattung eine dominante Rolle. So berichtetet „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 5. Juli: „Mit Marketing kennen sich Reiseveranstalter aus. Das bekommt die Politik derzeit zu spüren. Seit einigen Monaten schon machen die großen Tourismusverbände in Deutschland mobil gegen die sogenannte gewerbesteuerliche Hinzurechnung. Weil diesen sperrigen Begriff aber kaum ein Reisender versteht, hat die Branche kurzerhand einen neuen Namen für die Auswirkungen der letzten Gewerbesteuerreform kreiert: Urlaubssteuer. Das aber dürfte die so wichtige Wählergruppe der Senioren aufschrecken, sind sie doch die Hauptkunden der Busreiseanbieter, wie die Reiseanalyse 2018 zeigt. Danach sind fast 60 Prozent der Verbraucher, die diese Art von Urlaub buchen, älter als 60 Jahre. Ihnen könnte nun der gewohnte Reisepartner wegbrechen. Und dann gibt es vielerorts keinen Pauschalurlaub ab dem Heimatort mehr.“

RDA-Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf informierte darüber, dass die Bustouristik auf einem guten Weg sei. „Laut Reiseanalyse haben wir bei den Urlaubsreisen einen Marktanteil von 7 %, das ist mehr als der Marktanteil von Urlaubsreisen nach Mallorca!“ Und dieser Trend solle sich fortsetzen: Denn 24 % der Deutschen haben Interesse in den nächsten 3 Jahren mit dem Bus zu verreisen – dieser Wert pendelte in den vergangenen Jahren meist zwischen 22 und 23 %.

Mit 34 % habe der Deutschlandtourismus bei den Busurlaubsreisen einen höheren Anteil als bei der Gesamtheit der Urlaubsreisen. Wobei bei den ausländischen Buszielen nicht nur der Spitzenreiter Italien profitiert.

Für einige Reiseländer sind Busreisende entscheidend: bspw. sind von allen Urlaubsreisen nach Polen 25 % Busreisen, für das Reiseland Tschechien liegt dieser Wert ebenfalls bei 25 %. Und auch in Ferndestinationen kommt der Reisebus zum Einsatz bei kombinierten Bus-Flugreisen.

Die Kölnische Rundschau schrieb am 5. Juli dazu: „Busreisen sind mehr als Trips an die Mosel, zur Tulpenblüte nach Holland oder zur angesagten Ausstellung ein paar Städte weiter. Auf der Messe RDA Group Travel Expo in Köln rührte der Botschafter der Republik Usbekistan die Werbetrommel für Reisen entlang der neuen Seidenstraße. China, Iran, Armenien oder Georgien präsentierten sich ebenfalls mit diesem Reiseziel. Hier ist die Busreise natürlich kombiniert mit einer Flugreise zum Ziel, wo es dann weiter mit dem Bus geht.“

 

 

Kontakt

Annette Heinemann
Telefon: +49 2244 90 33 33
Telefax: +49 2244 87 74 22
E-Mail: presse@rda.de