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16.07.2012

RDA-Pressegespräch: Statement von Richard Eberhardt zur Situation der Bustouristik

Der RDA ist der in Europa führende Verband für Bus- und Gruppentouristiker und ihre Partnerunternehmen. Mit rund 3.000 Betrieben in mehr als 40 Ländern und über 70 Branchen ist der RDA ein sehr heterogener Verband und breit im Tourismus verwurzelt.

Diese Breite und Vielfalt zeigt sich insbesondere auf dem RDA-Workshop: Ein paar Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des 38. RDA-Workshops. Mit über 1.100 Ausstellern konnte der diesjährige Workshop das Niveau gegenüber dem letzten Jahr halten. Die Aussteller repräsentieren erneut 40 Reiseländer – mit Blick auf Hotelketten, Paketer etc. sogar an die 60 Reiseländer – und über 70 Branchen. Der RDA-Workshop bewegt sich also weiter auf stabilem Niveau und behauptet souverän die Position als Leitmesse.

Zum dritten Mal präsentieren wir auf dem Trendforum spannende Themen kompakt und informativ. Im Rahmen von 20-minütigen Vorträgen informieren Destinationen, Unternehmen und Veranstalter. In der Halle 10.2 steht dafür eine Bühne zur Verfügung, zu der ich Sie nur herzlich einladen kann, es lohnt sich!

Neu ist der Reisebürotag an dem wir auf dem RDA-Workshop selbstveranstaltende Reisebüros und Busunternehmer als Vertragspartner für Bus- und Gruppenreisen präsentieren. Flankierend dazu finden auf dem RDA-Workshop-Forum gezielte Fachbeiträge statt.

Situation der Bustouristik
Die Bustouristik steuert maßgeblich zum deutschen Incominggeschäft bei und ist von hoher volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Der Reisebus bietet flexible Verkehrslösungen und erschließt Länder und Regionen für jährlich rund 100 Millionen Gäste aus allen Teilen unserer Gesellschaft.

Laut der DIHK Saisonumfrage verlief die Wintersaison 2011/2012 besser als im Vorjahr. 32 Prozent der befragten Busunternehmer in der DIHK-Saisonumfrage stuften die Saison als gut ein, im Vorjahr waren es 19 Prozent. Die Nachfrage an Busreisen und der daraus resultierende Umsatz in 2011 sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Trends wie der zum Deutschlandtourismus und zu bustouristischen Kurzreisen, speziell Städte-, Kultur-, Musical- und Eventreisen, konnten sich erneut behaupten.

Doch trotz stabiler Umsätze erwarten die Busunternehmer für 2012 weitere Gewinnverluste begründet durch steigende Kosten und weitere Investitionen in den Bereichen Umweltschutz, Modernisierung und Ersatzbeschaffung.

Vor allem das Thema Treibstoffe und Energie belastet die Brachen aber auch die Verbraucher. Innerhalb von zwei Jahren haben wir eine Erhöhung der Dieselpreise um 30 Prozent hinnehmen müssen. Unsere Betriebsergebnisse werden nicht mehr einfach nur belastet, sondern wir sehen unsere Existenzen in Gefahr.

Wir halten es für unerlässlich, dass hier wieder Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Weiterentwicklung der Bustouristik und aller in ihr involvierten Betriebe ermöglicht.

Europa und die Bustouristik
Was drückt uns in Europa?

  • die Schlechterstellung des Busses gegenüber anderen Verkehrsträgern in Europa durch Einreiseauflagen und Gebühren,
  • die nicht durchgängig freie Fahrt in einem zusammenwachsenden Europa,
  • die nicht überall zugänglichen freien Anfahrten in die Zentren der Städte und zu den touristischen Attraktionen,
  • die bürokratischen Hürden der nationalen Gesetzgeber bei der Durchführung der Reisen,
  • das europäische Gesetzgebungsverfahren, das uns immer wieder neue Probleme bereitet, insbesondere bei der undifferenzierten Betrachtungsweise zwischen LKW´s und Bussen und allen damit in Zusammenhang stehenden Fragen,
  • der europaweite maßlose Treibstoffpreisterror.

Ein besonders ärgerliches Hindernis aus europäischer Sicht ist die Einrichtung der Umweltzonen. In Gesprächen mit dem Bundesumweltministerium und dem Berliner Senat, in Berlin dürfen ausländische Busse ohne Umweltzone einfahren, deutsche Busse hingegen nicht, setzen wir uns dafür ein, dass einheitliche Ausnahmeregelungen und deren bundesweite Anerkennung in die Leitlinien der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz übernommen werden.

Das Intervenieren in Brüssel bedeutet immer das Bohren dicker Bretter, und Geduld und Spucke gehören auch dazu, aber wir konnten dennoch erneut einen Erfolg verbuchen. Mit der Annahme des Berichts zum digitalen Tachographen hat das Europäische Parlament am 3. Juli 2012 die von der Kommission vorgeschlagene Begrenzung des Arbeitstages auf insgesamt höchstens neun Stunden (inklusive aller Ruhe-, Bereitschafts- und sonstiger Arbeitszeiten) für Reisebusfahrer erneut abgelehnt.

Weiterhin hat das EU-Parlament einen für die Bustouristik sehr wichtigen Änderungsantrag zur Erweiterung der 12-Tage-Regelung angenommen. Der RDA und der IBV haben durch die Wahrnehmung mehrerer Termine in Brüssel und durch die Arbeit der RDA-Vertretung in Brüssel maßgebliche Abgeordnete des EU-Parlaments und Mitarbeiter der Kommission frühzeitig auf die Risiken der Begrenzung der Arbeitszeit auf neun Stunden hingewiesen. Der Vorschlag der Kommission wurde dementsprechend von der Berichterstatterin selber in ihrem Änderungsantrag 21 korrigiert. Des Weiteren hat der RDA maßgeblich an der 2009 erreichten Wiedereinführung einer modifizierten 12-Tage-Regelung (unter dem Berichterstatter Mathieu Grosch, MdEP) mitgewirkt und weitere Nachbesserungen gefordert, wofür das Europäische Parlament nun die Grundlage gelegt hat.

Das Parlament dringt auf eine Aufhebung der bestehenden Regelung und erlaubt damit die Wiedereinführung von mehreren aufeinander folgenden Reisen innerhalb der 12 Tage, wenn davor und danach eine regelmäßige wöchentliche Ruhezeit und innerhalb eines 4-Wochen-Zeitraums eine Wochenruhezeit von insgesamt 140 Stunden genommen wird. Diese müssen nicht am Stück genommen werden. Die 12-Tage-Regelung könnte damit auch wieder für nationale Busrundreisen gelten, sollte dieser Änderungsantrag vom Rat mitgetragen werden.

Die Bustouristik ist ein grenzüberschreitendes, internationales Geschäft, dessen Rahmenbedingungen immer mehr in Brüssel und Straßburg bestimmt werden. Zur Steigerung der Wirksamkeit der politischen Interessenvertretung auf europäischer Ebene haben heute maßgebliche internationale Verbände und Organisationen die „European Alliance for Coach Tourism“ (EACT) gegründet. Dieses Bündnis von belgischen, britischen, deutschen, französischen und schwedischen Verbänden und Organisationen ist offen für weitere Partner. Es zielt auf die Bündelung der Netzwerke, Ressourcen und Schwerpunkte der einzelnen Partner sowie auf koordinierte arbeitsgeteilte Aktionen für die Bustouristik.

Busreisende und der demographische Wandel
Die Bustouristik ist ein Gewinner des demographischen Wandels. Laut einer aktuellen Auswertung der ITB Berlin sind die wichtigsten Herkunftsmärkte der Best Ager Großbritannien mit insgesamt 16,1 Millionen und Deutschland mit 15,3 Millionen Urlaubsreisen. Und, Best Ager stehen auf Städte- und Kulturreisen, Rundreisen und Kreuzfahrten – klassische Domänen des Bustourismus. Und sie sind ebenfalls besonders interessiert an Gartenschauen. So freue ich mich, dass wir gestern mit der internationalen gartenschau hamburg (igs 2013) einen Kooperationsvertrag unterschrieben haben. Die Veranstalter rechnen mit cirka 16.000 Reisebussen im Veranstaltungszeitraum.

Als neuer Trend entwickelt sich vor allem die Flusskreuzfahrt, bei denen der Bus die Reisenden während der gesamten Kreuzfahrt begleitet und, neben der An- und Abreise, auch zu den Ausflügen eingesetzt wird. Natürlich kann dies auch mit einer Städte- oder Rundreise verknüpft werden. Denn hier spielt der Bus seinen natürlichen Trumpf aus: Er kommt bequem überall hin – wenn er denn darf, dazu muss ich leider auf untaugliche, bürokratische Verkehrsregelungen in vielen Städten und die unverhältnismäßigen, wirkungslosen Umweltzonenregelungen verweisen.

Auf der einen Seite ist der Bus der Gewinner einer älter werdenden Gesellschaft, aber auf der anderen Seite sind wir aber auch Betroffene. Branchenübergreifend wird es zunehmend Probleme bei der Besetzung der Stellen in der Bustouristik geben, denn der Fachkräftemangel macht vor der Touristik allgemein und auch vor der Bustouristik nicht halt. Hinzu kommt, dass viele Busfahrer in absehbarer Zeit die Altersgrenze erreichen. 

Der Busreisende und die Reiseziele
Die Deutschen unternehmen jährlich 5,8 Mio. Busurlaubsreisen (Busurlaubsreisen ab 5 Tagen Dauer). In den letzten drei Jahren unternahmen 12 Prozent der deutschen Bevölkerung (8,6 Mio.) eine Busreise und 20 Prozent der Bevölkerung (14,2 Mio.) haben zukünftiges Interesse an Busreisen bekundet. Erfreulich für die Bus- und Gruppentouristik ist die hohe Reisehäufigkeit: 36,2 Prozent der Busreisenden unternehmen mehrere Reisen (durchschnittlich 1,5 Reisen p.P./Jahr.) im Jahr während bei der Gesamtheit der Reisenden nur 22,5 Prozent mehrfach verreisen (durchschnittlich 1,3 Reisen p.P./Jahr).

Der Anteil der über 60-jährigen liegt bei 58,3 Prozent. Von den 14- bis 29-jährigen reisen 17,3 Prozent mit dem Bus und hier müssen wir ansetzen um neue Kunden für die Busreise zu gewinnen. Bei den 20- bis 50jährigen sind die Vorzüge der Busreise nicht hinreichend präsent. Obwohl der komfortable Bus hervorragende Umwelt- und Sicherheitsbilanzen aufweist halten sich Vorurteile. Dazu haben wir im IBV eine Image-Förderkampagne beschlossen über die Herr Meyering gleich informiert. Das Durchschnittsalter der Busreisenden beträgt insgesamt 57 Jahre. 53,5 Prozent der Busreisenden sind bereits im Ruhestand. Demgegenüber beträgt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten 16,2 Prozent. Busreisen sind aufgrund der demographischen Verteilung frauendominiert. 59,2 Prozent der Busreisegäste sind weiblich, 40,8 Prozent männlich.

Das Haushaltsnettoeinkommen des Busreisenden beträgt durchschnittlich 2.063,4 Euro. Die Ausgaben für die Haupturlaubsreise schlagen mit  969 Euro pro Person zu buche.

Bei den inländischen Busreisezielen liegt Bayern vor Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Niedersachen und Schleswig-Holstein. Bei den ausländischen Busreisezielen der Deutschen führt Italien vor Österreich, Polen, Spanien und Frankreich. Es zeigt sich eindeutig, der Busreisende ist bei den Zielen sehr vielfältig und sucht nicht nur Sonne und Strand.

Noch nie war die Anzahl der Reisen und die damit verbundenen Ausgaben der Deutschen so hoch wie 2011 und die Urlaubsabsichten für 2012 sind sogar noch besser. Der Deutsche gönnt sich was: die Mehrheit plant mehrere, dafür aber kürzere Reisen, bei denen nicht gespart wird, so die Ergebnisse der Reiseanalyse 2012 und des ADAC Reise-Monitors 2012.

Ein Fazit: Insgesamt blickt die Tourismuswirtschaft aufgrund der momentanen Buchungslage positiv in die Reisesaison 2012. Die Optionalität der Kunden wird weiter steigen. Die Nachfrage nach Nischenelemente wird weiter zunehmen. Ausflüge in Naherholungsgebiete, Wellnessurlaub im Kleinen, Aktivferien auf dem Rad oder zu Fuß, Flusskreuzfahrten mit Busbegleitung haben Wachstumspotenzial.

Ein Wermutstropfen: Trotz stabiler Umsätze erwarten die Busunternehmer für 2012 eine schlechtere Geschäftsentwicklung und weitere Gewinnverluste begründet durch steigende Kosten und weitere Investitionen in den Bereichen Umweltschutz, Modernisierung und Ersatzbeschaffung.

Kontakt

Annette Heinemann
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RDA-Pressesprecher
Dieter Gauf

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