Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
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21.07.2015

RDA-Pressegespräch auf dem RDA-Workshop: Statement von Richard Eberhardt, RDA-Präsident

Der RDA ist der in Europa führende Verband für Bus- und Gruppentouristikunternehmen mit einem in der gesamten Tourismusindustrie dicht verwurzelten Netzwerk.

Dabei spielt der RDA-Workshop eine sehr bedeutungsvolle Rolle: Mit fast 900 Ausstellern aus 40 Reiseländern behauptet auch der 41. RDA-Workshop souverän die Position als Leitmesse der Bus- und Gruppentouristik.

Der Tourismus ist und bleibt eine sich stetig weiterentwickelnde Industrie. Die Branche basiert auf einer hohen Dynamik in Angebot und Nachfrage wie kaum eine andere. Entwicklungen und Trends aus einer intensiven Marktforschung abzuleiten ist damit zu einer wesentlichen Aufgabe des RDA geworden.

Bei den Eckzahlen zum Urlaubsvolumen insgesamt lässt sich eine weitgehende Stabilität auf sehr hohem Niveau feststellen: Knapp 55 Mio. Urlaubsreisende machten 2014 über 70 Mio. Urlaubsreisen. Das entspricht einer Urlaubsreiseintensität von deutlich über 77%. Dies ist der Anteil der Bevölkerung, der im Jahr mindestens eine Urlaubsreise von mindestens 5 Tagen Dauer macht. Auch bei den Kurzurlaubsreisen sind die Werte mit 33 Mio. Reisenden und 76 Mio. Reisen stabil.

Doch noch nie waren die Ausgaben für Urlaubsreisen (5 Tage und länger) so hoch wie 2014: Sie stiegen gegenüber dem Vorjahr um 5% auf über € 67 Mrd. Dazu kommen die Ausgaben für Kurzurlaubsreisen (2 bis 4 Tage) von knapp € 20 Mrd.

Lassen Sie mich nun zur aktuellen Situation der Bustouristik kommen.

Outgoing- und Binnentourismus
Die Deutschen haben insgesamt 5,4 Mio. Busurlaubsreisen unternommen. 8% aller Urlaubsreisen waren demnach Busurlaubsreisen.

Von den 21,4 Mio. Deutschlandreisen fanden 2,1 Mio. mit dem Bus statt. Somit sind 10% aller Urlaubsreisen der Deutschen innerhalb Deutschlands Busreisen.

Bei der Verteilung der Busurlaubsreisen auf in- und ausländische Ziele konnte das Inland im Vorjahresvergleich um drei Prozentpunkte auf 39% zulegen, zu Lasten ausländischer Ziele mit nun auf 61% Marktanteil.

Bei den Top 5 der nationalen Ziele deutscher Busurlaubsreisen liegt Bayern vorn, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Bemerkenswert dabei der Trend gen Norden: Schleswig-Holstein konnte seinen Anteil um ein Drittel steigern und Mecklenburg-Vorpommern um mehr als ein Viertel.

Schaut man auf die die Bedeutung des deutschen Bustourismus für einzelne Bundesländer liegt wiederum der Osten Deutschlands vorn. Von allen Urlaubsreisen der Deutschen nach Sachsen oder Thüringen sind 16% Busreisen. Gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 14% und direkt auf dem Fuß sind Rheinland-Pfalz/Saarland mit 13% und Berlin mit 12%.

Incoming mit dem Bus
Bei den Urlaubsreisen die aus ganz Europa nach Deutschland gehen, beträgt der Marktanteil des Reisebusses als Hauptreiseverkehrsmittel 8%. Bei den Urlaubsreisen ab einer Übernachtung nach Deutschland ist der Bus als Hauptreiseverkehrsmittel vor allem bei unseren osteuropäischen Nachbarn beliebt. Spitzenreiter ist die Ukraine. Dort hat der Bus einen Anteil von 39% bei diesen Reisen. Gefolgt von
Bosnien-Herzegowina mit 34% noch dazu mit einem Plus von 17% gegenüber 2013.

Hier wurden nur die Gäste erfasst, die mit dem Bus nach Deutschland einreisen. Touristen, die bspw. mit dem Flugzeug anreisen und dann zu Rundreisen mit dem Bus starten sind dabei nicht erfasst. Wir haben schon seit längerer Zeit in der DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus) angeregt, dieses Phänomen zu untersuchen. Denn dies brächte auch für das Marketing der Regionen und Länder entscheidende Hinweise.

Internationale Ziele der Bustouristik
Bei den internationalen Zielen der deutschen Busurlauber (=100%) liegt Italien (18%) vor Österreich (16%), Polen (11%), Spanien (8%), und Frankreich (8%). Es lohnt aber auch, einen Blick zu werfen auf die unterschiedliche und teilweise enorme Bedeutung, die die Bustouristik für einzelne Länder hat.

So sind 36% aller Reisen der Deutschen nach Tschechien Busreisen. Auch 27% aller Polenreisen, 21% aller Irlandreisen, 17% aller Ungarnreisen, 16% aller Großbritannienreisen. Großbritannien ist schon seit einigen Jahren ein beliebtes Busreiseziel der Deutschen. Nun hat es auch die grüne Insel in die Herzen der Bustouristiker geschafft. Vergessen darf bei dieser Analyse aber nicht, dass grundsätzlich alle Destinationen von deutschen Busurlaubsreisen profitieren. Denn die Bustouristik verlängert die eigentliche touristische Hauptsaison, da ihre Spitzenzeiten in den Monaten Mai und September liegen.

Doch der Bus ist auch bei den Tagesreisen nicht wegzudenken, denn 6% aller Tagesreisen werden mit dem Bus unternommen. Damit ist der Bustourist auch in der Ausflugsgastronomie, bei Attraktionen und Veranstaltungen eine verlässliche Zielgruppe und Einnahmequelle.

Gruppenreisen sind hoch im Kurs
Gruppenurlaubsreisen sind bei den Deutschen beliebt, besonders als Pauschalreise. 82% der Gruppenreisenden bevorzugen pauschalierte Reisen. Und 61% der Reisen deutscher Reisegruppen nahmen 2014 den Bus.

Nach der bequemen Anreise mit dem Sternebus will der Urlauber auch unterwegs oder am Ziel nicht auf Komfort verzichten. So nächtigten 79% der Busreisegäste im Hotel. Dies ist ein Plus von 9% gegenüber dem Vorjahr.

Wer reist wie und wann mit dem Bus?
Der Busurlaubsreisende im Vergleich mit dem Gruppenreisende
n
Generell gilt: Der Deutsche vereist gern. Bei der Anzahl der Urlaubsreisen (ab 5 Tagen Dauer, Mittelwert) liegen der Gruppentourist und der Busreisende gleichauf mit 1,3 Reisen pro Jahr.

Die Ausgaben betragen pro Person und Reise in der Gruppentouristik rund 1046 EUR und in der Bustouristik 828 EUR (Mittelwerte). Damit sind die Ausgaben pro Reisendem bei Gruppen- und Busreisen jeweils um 11% gestiegen. Der Gruppentourist ist durchschnittlich 59 Jahre alt und der Bustourist ist mit einem gemittelten Alterswert von 58 Jahren unwesentlich jünger. Hier hat übrigens im Vergleich zum Vorjahr ein Wechsel stattgefunden.

Der Bus hat aber auch viele Fans bei den 14-19jährigen. 15% der Busreisen werden von dieser Zielgruppe unternommen. Und die Popularität des Fernlinienbusses trägt dazu bei, dass junge Erwachsene, Familien, und die Generation unter 50 zunehmend Interesse an einer Busreise zeigen.

Das Haushalts-Netto-Einkommen des Gruppentouristen beträgt im Mittel 2.426 EUR und das des Bustouristen 2.084 EUR.

65% Prozent der Gruppenreisenden zeigen generelles Interesse an einer Busreise in den nächsten drei Jahren und 74% der Bustouristen planen die Wiederholung einer Busreise.

Die Vorliebe für Ausflüge in die Umgebung haben der Gruppen- und der Bustourist gemeinsam, ebenso wie die Freude an der Rundreise und bei den Urlaubsmotiven verbindet sie das Motiv „Abstand zum Alltag gewinnen“. Fazit: Bis auf die Favorisierung unterschiedlicher Verkehrsmittel unterscheidet sich der Bustourist wenig bis kaum vom allgemeinen Gruppentouristen.

Neue Zielgruppen für die Bustouristik
Der Fernlinienbus hat einen außerordentlichen Durchmarsch hingelegt. In kürzester Zeit durch die Decke, kann man da nur sagen. Die Bahn aber auch die innerdeutschen Fluggesellschaften bekommen die Konkurrenz zu spüren. Inzwischen sind auch touristische Ziele wie Garmisch-Partenkirchen, Titisee und Binz auf Rügen mit dem Fernlinienbus zu erreichen. Und auch internationale Ziele wurden bereits in den Fahrplan aufgenommen.

Die Liberalisierung des Fernlinienbusverkehrs nahmen verschiedene politische Parteien zum Anlass, eine generelle Maut für Busse zu fordern.

Dies hätte nicht nur zu massiven Wettbewerbsverzerrungen im Verhältnis zu den konkurrierenden Verkehrsträgern geführt, sondern auch die Betriebe bestraft, die von der Liberalisierung nicht profitieren, denn am Fernlinienverkehr verdienen nur einige Portale und deren Subunternehmer. Eine Maut aber würde alle 4.040 Busunternehmer belasten.

Der Fernlinienbus ist modern, punktet mit Komfort, Zuverlässigkeit, zentralen An- und Abfahrtstellen und einem günstigen Preis. Allerdings ist die Haltestellensituation in vielen Ständen nicht zufriedenstellend. Zu geringe Kapazitäten, eine schmuddelig Anmutung oder eine dezentrale Lage, ohne Anbindung an den ÖPNV, schrecken Reisegäste ab. Ich kann nur wiederholt an die Kommunen appellieren, hier mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn sie weiterhin auf der Fernbuslandkarte bleiben wollen. Geschätzte 17 bis 19 Mio. Fahrgäste im Fernlinienverkehr geben ein deutliches Votum für diese Beförderungsart.

Omnibusunternehmen wollen modernisieren und investieren
Der Wirtschaft in unserem Land geht es gut. So schätzen laut DIHK-Saisonumfrage 38% der Busunternehmen ihre Lage als gut ein und immerhin 54% als befriedigend. 92% der Kollegen sind also zufrieden und lediglich der Rest spricht von einer schlechten Lage. Damit steht die Bustouristik auch besser da als etwa Reiseveranstalter, die zu ca. 12% ihre Lage als schlecht beurteilen.

Diese positive Einstellung spiegelt sich auch in den geplanten Investitionen der Busunternehmen wieder. 83% planen eine generelle Modernisierung, 17% wollen die Kapazitäten erweitern, 25% in den Umweltschutz investieren und rund 14% planen ein Invest in Produktinnovation – ein Plus von ca. 7%. Also insgesamt gute Aussichten für die Bus- und Gruppentouristik in 2015.

Personalengpass befürchtet
Sorgen bereitet uns nach wie vor die Gewinnung von Busfahrern für die Branche. Viele potenzielle Arbeitnehmer scheuen die Wochenend- und Schichtarbeit. Und ein grundsätzlicher Mangel an qualifiziertem Personal auf dem Arbeitsmarkt verstärkt die Probleme noch. Auch der schnelle und unaufhaltsame Ausbau der Fernbuslinien verstärkt die Nachfrage nach Busfahrern zusätzlich.

Um vor allem auch junge Menschen für den Beruf des Busfahrers zu interessieren, müssen wir mit den attraktiven Seiten der Arbeitsplätze werben. Doch wir wollen auch andere potenzielle Arbeitsmärkte erschließen. Hier haben wir vor allem Frauen im Blick, die bisher nicht einmal zehn Prozent der Bus-Chauffeure stellen, aber auch Migranten.

Die von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vorgenommen Änderungen beim Mindestlohn sind ein notwendiger aber nur kleiner Schritt in die richtige Richtung. So bleiben im reinen Transitverkehr die Kontrolle und Ahndung von Mindestlohnverstößen bis zu einer verbindlichen Entscheidung der Europäischen Kommission vorläufig ausgesetzt. Hier sind natürlich unsere ausländischen Kollegen besonders sensibilisiert. Wir haben uns gemeinsam mit der EACT, European Alliance for Coach Tourism, in den vergangenen Monaten vehement gegen diese Kontrollen sowohl in Berlin als auch in Brüssel eingesetzt.

Lassen Sie es mich einmal deutlich sagen: Das Mindestlohngesetz konterkariert das Incominggeschäft. Denn ich gehe bspw. einmal davon aus, dass kaum ein chinesischer Reiseleiter nach deutschem Mindestlohn bezahlt wird.

Ferner sind wir froh, dass die Pkw-Maut erst einmal vom Tisch ist. Sie war nicht nur unausgegoren und ausländerfeindlich sondern hätte auch dem Incoming zutiefst geschadet.

Die Deutschen reisen gern, sind gastfreundlich und die Wirtschaftskraft des Tourismus ist erheblich:

-       fast drei Mio. Menschen arbeiten direkt im Tourismus

-       die Branche trägt mit 4,4 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei und befindet sich damit auf Augenhöhe mit der Automobilwirtschaft

-       die Konsumausgaben der Touristen in Deutschland betragen jährlich rund 280 Mrd. Euro.

Dies zeigt deutlich, Deutschland profitiert vielfältig vom Tourismus. Und so ist es mir ein Anliegen, dass Kommunen und Politik dies nachhaltig honorieren und aufhören, Touristen und den Tourismus als Melkkühe der Nation zu betrachten. Sei es mit der Bettensteuer für touristische Übernachtungen, die jetzt in den deutschen Kommunen immer mehr um sich greift, mit der Einfahrtsgebühr für Busse in italienische Städte, oder mit überteuerten Parkplatzgebühren, um nur einige Maßnahmen zu nennen, mit denen europaweit Touristen und Unternehmer ausgenutzt werden.

Um es einmal deutlich zu sagen: Der Bus ist für viele Städte und Regionen ein Problemlöser. Jeder Reisebus spart die Verkehrsfläche von 25 und mehr Pkw ein und mindert dadurch spürbar die Verkehrsbelastung in Städten und an touristischen Sehenswürdigkeiten.

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