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30.07.2013

Fernlinienbusverkehr in Deutschland - Erste Bestandsaufnahme der Betreiber und Portale auf dem RDA-Workshop 2013

Die bundesweit erste Bestandsaufnahme zum Thema Fernlinienbusverkehr, die der RDA gemeinsam mit dem DTV Deutscher Tourismusverband, initiiert hat, sprengte am 25. Juli auf dem RDA-Workshop jeden Rahmen und zeigte deutlich, was die Branche derzeit bewegt. Das „Who is who“ dieser noch jungen Unternehmensparte war vertreten: Beförderer, Anbieter, Portale und Zielorte.

RDA-Präsident Richard Eberhardt: „Die Liberalisierung des Fernlinienverkehrs in Deutschland seit Januar 2013 hat für viel Wirbel gesorgt. Verbrauchern steht eine günstige, sichere und umweltfreundliche Alternative zu PKW, Flugzeug und Bahn zur Verfügung und Tourismusunternehmen können von den Potenzialen des Marktes profitieren. Die Busbranche spürt bereits einen Imagewechsel. Die Entwicklungen in diesem neuen Markt werden auch erhebliche Auswirkungen auf den Deutschlandtourismus haben. Doch um ein attraktives flächendeckendes Netz zu schaffen braucht es Marktkenntnisse sowie Verständnis für Innovation, Kompetenzen und Kooperationen zwischen Anbietern, Destinationen und touristischen Dienstleistern. Diese fördern DTV und RDA und wollen so Synergien schaffen.“

Die Anbieter sind derzeit bunt gemischt: junge Start-ups, etablierte Busunternehmen, ausländische Marken und last but not least startet im November die Deutsche Post gemeinsam mit dem ADAC. Auch Global-Player wie Aldi und TUI, die den Vertrieb einiger Anbieter ergänzen, kommen zunehmend hinzu.

Eberhardt: „Kurzurlaub, Fernbeziehung, Jobtermin, Kunstausstellung: Gründe, den Bus zu nutzen, gibt es viele. Gerade bei jungen Menschen, aber auch bei unternehmungslustigen Älteren kommt der Bus gut an. Und der Komfort stimmt bei dieser Reiseform ebenfalls. Jeder Fahrgast erhält mit seiner Buchung auch eine Sitzplatzgarantie, Stehplätze wie bei der Bahn gibt es nicht.“

Mittelstand profitiert von gemeinsamer Dachmarke
Wie der Mittelstand bei einem Fernlinienverkehr unter einer gemeinsamen Dachmarke mitmischen kann, erörterte Dr. Ulrich Basteck, Geschäftsführer Wörlitz Tourist, der sich der MFB MeinFernbus GmbH angeschlossen hat. „Eine bekannte Marke verkauft sich besser, als ein gutes Produkt“, so seine Meinung. Ein Fernbussystem selbst zu etablieren, brauche 100 Busse, 250 Fahrer und mehr. Das könne ein kleiner Mittelständler nicht stemmen.

André Schwämmlein, Geschäftsführer FlixBus GmbH, machte deutlich, dass der Fernlinienbus auch für den Reiseveranstalter Zukunft hat und für kleine Gruppen buchbar ist. Er sieht den Fernbus bei den Gruppenreisen vor allem im Wettbewerb mit dem ICE. Auch FlixBus konzentriert sich bei der Akquise von Busunternehmern auf den engagierten Mittelstand: „Wir suchen keine Subunternehmer, sondern Partner, die etwas bewegen wollen.“

Der Fernlinienbus kann auch kulinarisch etwas anbieten und somit der Bordservice im Fernbus einen Mehrwert für den Reisegast und den Unternehmer erzeugen. Das zeigten Patrick Frenzel, Leiter Marketing, Frenzel GmbH, und Michael Marder, LSG Leiter Buscatering.

Wie die Touristik profitieren kann
Wie die Touristik von einem liberalisierten Fernbusmarkt profitieren kann, erörterte Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin Dresden Marketing. Der Fernlinienbus bringe mit seiner überwiegend jungen Zielgruppe Chancen für die Städte. Um diese zu nutzen, seien aber stadtnahe Busterminals erforderlich. Sie bot an, seitens des Stadtmarketings die Unternehmen bei den Verhandlungen mit der Verwaltung zu unterstützen.

Auswahlkriterien für Fernlinienbusdestinationen
Justin Liesenfeld, Leiter Geschäftsfeldentwicklung DeinBus.de, führte demgegenüber auf, welche Auswahlkriterien für Fernlinienbusdestinationen gelten. DeinBus.de spricht gezielt das junge Publikum in Studentenstädten an. Parallel dazu werde geprüft, ob die Zielgruppe auch zahlungsbereit sei, oder ob es zu viel Konkurrenz durch z.B. Semestertickets gebe. Weitere Vorrausetzungen für eine perfekte Destination seien, die zentrale Lage der Haltestelle und eine gute ÖPNV-Anbindung.

Die Probleme der noch fehlenden Infrastruktur und welche Herausforderungen an die Destinationen damit verbunden sind, erläuterte Adolf Haltern, Inhaber BUSSTOP Mannheim. Für ihn ist es ein Unding, dass die Reise im Komfortbus mit WLAN etc., oft genug in einer schmuddeligen Umgebung startet oder endet.

Kundenbindung und Kooperationen
Das auch der Fernlinienbusverkehr auf Kundenbindung und Kooperationen setzt, ist für Christoph Marquardt, Geschäftsführer PublicExpress, ohne Alternative. PublicExpress, seit Jahren im Fernlinien-Busverkehr erfolgreich, hat sein Netz neben den Linien in Nord-Deutschland nun auch auf den Süden der Republik ausgedehnt. Dabei setzt das Unternehmen, trotz allgemein nachlassender Markenloyalität, auf eine langfristige Strategie der Qualität. 73 Prozent der Neukunden kämen auf Empfehlung von Freunden und Bekannten. Junge Familien, Alleinerziehende und Senioren werden mit gezielten Angeboten angesprochen. Hinzu kommen Mehrwertprogramme, bei denen die Publiccard bei Kooperationspartnern Rabatte und Sonderleistungen garantiert.

Kunden brauchen Orientierung bei der Bussuche
Martin Rammensee, Geschäftsführer des Internetportals Busliniensuche.de, macht die starke Fragmentierung des Marktes Sorge. Die Kunden bräuchten mehr Orientierung bei ihrer Suche. Außerdem regte er an, darüber nachzudenken, welche Zielgruppen angesprochen werden. Fernlinienbuskunden geben ca. 20 € für die Reise aus, so dass der Vertrieb von darüber hinaus gehenden, teureren touristischen Produkten, durch das Kostendenken der Kunden stark erschwert ist. Er regte an, darüber nachzudenken, ob die Tatsache, dass das Fernbuspublikum überwiegend jung und studentisch geprägt sei, eine Folge des Angebotes oder eine Folge des Marktauftrittes der Anbieter sei.

Alles nur eine Frage des Preises?
Ob aber letztendlich alles nur eine Frage des Preises ist, und wie ein „Revenue Management“ bei deutschen Fernlinienbussen gestaltet sein muss, erklärten Werner Tauss, Werner Tauss Consulting, und Dr. Mark Friesen, Quinta Consulting. Im Vergleich zur Bahn würden die Tickets zu billig angeboten und es könne darüber nachgedacht werden, ob Zusatzleistungen, wie z.B. WLAN, als zusätzliche Kosten exklusiv berechnet werden sollten. Zudem sollten Sonderpreisstrategien nicht zu häufig gefahren werden und frühen Buchungen vorbehalten sein. „Die negativen Folgen der niedrigen Preise könnte eine Monopolisierung zum Leidwesen vieler finanziell schwächeren Unternehmen sein“, warnte Tauss davor, Marktanteile durch einen zu niedrigen Preis zu generieren.

Frisch wie der Markt war auch die Sondershow-Idee von Infopoints. Dort präsentieren sich Unternehmen, die bereits im Fernlinienbusverkehr tätig sind oder ihre Produkte, Konzepte und Ideen rund um den neu entwickelten Markt vorstellten.

Neben den informativen Fachvorträgen gab es aber auch die Möglichkeiten eines intensiven Networkings. Und davon wurde rege Gebrauch gemacht. Zwischen den Fachvorträgen konnten sich Destinationsvertreter bei den Ausstellern informieren, ob und wie ihr Ort eine attraktive Haltestelle werden kann, wie sie geeignete Fernbusterminals mit der entsprechenden Infrastruktur einrichten können, und mit welchen Möglichkeiten und Herausforderungen dies verbunden ist.

Fazit des erfahrenen Tourismusjournalisten Gerd Schmitz, der die Sondershow moderierte: „Es fand keine theoretische Diskussion über das Thema statt, sondern ein praktischer Erfahrungstausch der Betreiber, Portale und Zielgebiete.“


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RDA-Pressesprecher
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