Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
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05.01.2018

Statement von Benedikt Esser, RDA-Präsident, anlässlich des Pressegesprächs zum Tag der Bustouristik

Mein Dank gilt der Tourismus Zentrale Saarland für Ihr Engagement rund um den heutigen Tag der Bustouristik.

Der RDA ist der in Europa führende Verband für Bus- und Gruppentouristikunternehmen mit einem in der gesamten Tourismusindustrie dicht verwurzelten Netzwerk. Unsere Unternehmen sind überwiegend mittelständisch geprägt, oftmals lokal verwurzelt, somit immer am Puls der Zeit und wir wissen, wohin die Reise geht. Entscheidend dafür sind auch unsere Messen, die RDA Group Travel Expo in Friedrichshafen und Köln.

Gemeinsam reisen ist populär
Die Deutschen reisen gerne in Gesellschaft. Dabei unternahm knapp ein Drittel der deutschen Reisenden ihre Haupturlaubsreise und damit die persönlich wichtigste Reise des Jahres, laut Reiseanalyse 2017, zusammen mit Freunden, Bekannten und Verwandten.

Doch auch der Anschluss an eine Gruppenreise ist bei den Deutschen sehr populär. Für Gruppenreisende ist der Bus das wichtigste Reiseverkehrsmittel. Denn Gruppenreisende wissen gerade den Komfort an Bord, die unkomplizierte Mitnahme von Gepäck und die Mobilität während der gesamten Urlaubsreise seit Jahren zu schätzen. Ob Städte-, Erlebnis- oder Rundreise – gemeinsam entdecken die Reisenden vor allem Ziele mit kulinarischen, kulturellen und historischen Highlights, um möglichst viel zu erleben und neue Eindrücke zu gewinnen.

Bedeutung des Tourismus
In Deutschland ist der Tourismus ein ökonomisches Schwergewicht und einer der größten Arbeitgeber. Mehr als 287 Milliarden Euro haben in- und ausländische Touristen für Güter und Dienstleistungen in Deutschland ausgegeben. Diese Umsätze sorgten für fast 3 Millionen Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von mehr als 105 Milliarden Euro. Das geht aus der vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) beauftragten und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland“, herausgegeben im Juni 2017, hervor.

Von diesem Kuchen bekommt auch das Saarland seine Anteil: Jährlich verzeichnet das Saarland knapp über 40 Mio. Aufenthalte, die dazu beitragen, dass ein Bruttoumsatz von gut 1,3 Mrd. € erwirtschaftet wird. Durch diesen Bruttoumsatz werden 32.000 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalent) im Saarland gesichert.

Gestiegene Ausgaben pro Person und Gruppenreise (der Mittelwert der Reiseausgaben pro Person und Reise beträgt 1.143 €) lassen Veranstaltern und Leistungsträgern der Bustouristikbranche Raum für innovative Produkte und Reiseangebote. Die durchschnittliche Dauer deutscher Busurlaubsreisen beträgt 10 Tage!

Kombinierte Reisen liegen im Trend. Mit den Kombinationen wie Bus & Schiff, Bus & Flug erfüllen die Bustouristiker die Kundenwünsche nach Komfort und Erlebnis gleichermaßen. So bringt etwa der Busunternehmer seine Reisegruppe zu einer Flusskreuzfahrt und begleitet diese dann bei Ausflügen mit dem Bus. Oder nach der schnellen Fluganreise nach Griechenland wartet dort schon der Bus und bringt die Teilnehmer auf einer Rundreise zu den antiken Ausgrabungsstätten.

Neben den kombinierten Reisen gehen viele Veranstalter mit „aktiven“ Reisen (Wandern, Rad und E-Bike) auf den verstärkten Wunsch der Kunden nach mehr individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ein. Eine weitere Entwicklung zeigt sich in der steigenden Nachfrage nach authentischen Reisen. Urlauber legen zunehmend mehr Wert darauf, authentische Erfahrungen zu sammeln, Land und Leute kennenzulernen und in fremde Umgebungen einzutauchen.

Der Reisebus bietet flexible Verkehrslösungen und trägt maßgeblich zur Erschlie­ßung peripherer und touristisch wichtiger Regionen bei. Die Fahrgastzahlen sind gerade im Gelegenheitsverkehr seit Jahren stabil. Jeder zehnte Deutsche hat in den vergangenen drei Jahren eine Busreise unternommen und sogar fast jeder Vierte zeigt Interesse daran, in den nächsten drei Jahren eine Busurlaubsreise zu machen. Die RA 2017 hat rund 4,3 Mio. Busurlaubsreisen ermittelt.

Bei den TOP 5 der nationalen Ziele der busreisenden Deutschen lag Bayern vor Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Niedersachsen, Berlin und Baden-Württemberg. Wie Sie sehen, ist für das Saarland also noch Luft nach oben, allerdings ist es auch schwierig, als kleineres Bundesland mit den größeren Flächenländern oder der Bundeshauptstadt mitzuhalten.

Der Bustourist ist durchschnittlich 56 Jahre alt. Der Bus hat aber auch viele Fans bei den 14-19-Jährigen. 15% der Busreisen werden von dieser Zielgruppe unternommen. Und die Popularität des Fernlinienbusses trägt dazu bei, dass junge Erwachsene, Familien und die Generation unter 50 zunehmend Interesse an einer Busreise zeigen.

 

In den letzten Jahren zeichnet sich ein Trend zu mehr Komfort im Bus und mehr Erlebnis auf der Busreise ab und wir gehen davon aus, dass dies auchweiterhin so bleiben wird. Spezielle Sonderausstattungen wie WLAN und Entertainment-Systeme werden mehr und mehr nachgefragt. Reiseerlebnisse direkt zu posten und eine permanente Erreichbarkeit gehörenheute für Menschen aller Altersklassen selbstverständlich dazu. Reisegäste wünschen sich zudem verstärkt Unterhaltung während der Fahrt, wie etwa Filme an Bord. Die Omnibushersteller rüsten die Busflotten entsprechend aus.

Trends bei den Städtereisen
Städtereisen stehen bei den deutschen Reisenden hoch im Kurs. Rund ein Drittel der deutschsprachigen Bevölkerung hat Interesse an einer Städtereise in den nächsten drei Jahren. National dominiert Berlin bei den Städteurlaubsreisezielen, vor Städten aus Bayern, der Hansestadt Hamburg oder Städten aus Baden-Württemberg und Sachsen.

So erklärt sich auch, warum das Flugzeug mit 34% den höchsten Anteil als Verkehrsmittel bei den Städtereisen hat, gefolgt vom Pkw (33%), dem Bus (13%), der Bahn (11%) und dem Schiff (4%). Die Reiseausgaben betragen pro Person und Städteurlaubsreise im Mittelwert 998 €.

Lassen Sie mich bei den schönen Erfolgen der Städtereise eines nicht vergessen: Wir stehen gerade dort vor großen Herausforderungen, durch die zunehmenden Restriktionen, die u.a. den Reisebus betreffen. Einfahrtsverboten, zunächst für bestimmte Motorentypen, folgt zunehmend der Ruf nach grundsätzlicher Verbannung von Dieselmotoren.

Das würde dem Städtetourismus spürbaren Schaden zufügen. Der Bus, als das bislang nachweislich ökologischste aller Verkehrsmittel, gerät plötzlich ins Hintertreffen im Vergleich zum wesentlich höher belasteten Individualverkehr. Es wird also weiter eine unserer wichtigsten Verbandsaufgaben bleiben, dagegen entschieden und konsequent vorzugehen. Ein weiterer Aspekt, gegen den wir angehen müssen, ist die Überlegung der Einführung einer Maut für Busse auf der Autobahn.

Branche gegen Urlaubsteuer
Eines der drängenden Branchenprobleme ist die „Gewerbesteuerliche Hinzurechnung des Hoteleinkaufs“, von uns treffenderweise Urlaubssteuer genannt. Die mittelständischen Busreiseveranstalter sind besonders betroffen, da die meisten geringere Reaktionsmöglichkeiten haben als z.B. Konzerne, die ihren Einkauf ins Ausland verlagern können.

Seit der Gewerbesteuerreform werden angemietete Objekte wie Ladenflächen, Büros oder Produktionsflächen der Gewerbesteuer hinzugerechnet. Die Finanzverwaltungen behandeln aber per Auslegung des Gesetzestextes auch Unterkunftsleistungen der Reiseveranstalter in dieser Form. Der Einkauf von Hotelbetten wird wie Anlagevermögen bewertet. Das ist eine fatale Fehlinterpretation. Sie treibt nicht nur die Steuerlast deutlich in die Höhe. Sie verzerrt auch massiv den Wettbewerb, weil sie z.B. für Hotelvermittlungsplattformen wie HRS oder Reiseveranstalter mit Sitz im Ausland nicht gilt, selbst wenn sie im deutschen Markt tätig sind.

Sofern die Finanzverwaltungen der Länder ihre aktuelle Auslegung des 2008 geänderten Gewerbesteuergesetzes beibehalten, ist die Existenz zahlreicher kleiner und mittlerer Reiseveranstalter akut bedroht. Große Konzerne spielen mit dem Gedanken von Standortverlagerungen, was zur Abwanderung vieler Arbeitsplätze führen könnte.

Ein Urteil in einem von Teilen der Politik zu einem Musterverfahren hochstilisierten Prozess hat erstinstanzlich keine Klarheit gebracht. Das Gericht hält die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung in Teilen für zulässig – und zwar nur für den so genannten Nettokaltmieteanteil. Dies ist jedoch in der Praxis nicht umzusetzen, da kein Veranstalter – weder Konzerne noch mittelständische Busreiseveranstalter – die Nettokaltmiete vom Hotel einzeln ausgewiesen bekommt. Dazu müssten die Hoteliers (freiwillig) ihre Kalkulationen offen legen. Das Urteil hat in seiner praxisfremde gezeigt, dass das Thema auf politischer Ebene gelöst werden muss. Die Politik muss schnellstmöglich eine Lösung finden, die Rechtssicherheit schafft und verhindert, dass die gewerbesteuerliche Hinzurechnung bei der Anmietung von Hotelzimmern greift!

Um politische Lösungen von der künftigen Bundesregierung einzufordern, haben der RDA, der BTW (Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft), der DRV (Deutscher ReiseVerband), der asr (Allianz Selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband) und der DTV (Deutscher Tourismusverband) eine politische Aufklärungskampagne gestartet.

Mit dem plakativen Titel „Urlaubssteuer“ wird die gewerbesteuerliche Hinzurechnung als das bezeichnet, was sie faktisch ist: Nämlich eine Urlaubssteuer! Denn de facto hat der Reisende die zusätzlichen Kosten mitzutragen und Reisen werden sich somit zwangsläufig verteuern.“

Während der Koalitionsverhandlungen werden wir weiter mit gezielten Maßnahmen auf die Urlaubssteuer aufmerksam machen und so Druck auf die neue Bundesregierung aufbauen.

Kontakt

Annette Heinemann
Telefon: +49 2244 90 33 33
Telefax: +49 2244 87 74 22
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RDA-Pressesprecher
Dieter Gauf

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