Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
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04.07.2016

RDA-Pressekonferenz: Statement von RDA-Präsident Richard Eberhardt

Wir möchten Sie heute über die aktuelle Situation der Bus- und Gruppentouristik informieren, über erste Folgen des Brexits für die Bus- und Gruppentouristik sowie einige Verbandsaktivitäten erläutern.

Der RDA ist der in Europa führende Verband für Bus- und Gruppentouristikunternehmen mit einem in der gesamten Tourismusindustrie dicht verwurzelten Netzwerk.

Dabei spielt der RDA-Workshop eine sehr bedeutungsvolle Rolle: Mit 700 Ausstellern aus 40 Reiseländern behauptet auch der 42. RDA-Workshop souverän die Position als Leitmesse der Bus- und Gruppentouristik. Nicht zu vergessen, den Prolog in Friedrichshafen der in diesem Jahr erstmals, aber sehr erfolgreich stattgefunden hat.

Wir sind überdies sehr froh, dass es uns gelungen ist, bereits in diesem Jahr die modernsten Messehallen der Koelnmesse für den Workshop nutzen zu können. Sie hatten sicherlich schon Gelegenheit, sich in diesen tageslichthellen Hallen umzuschauen. Mit diesem neuen Hallenkonzept sind auch der weiteren Entwicklung des Workshops kaum Grenzen gesetzt.

Der Brexit, also der beschlossene Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist eine historische Zäsur und ein großer Verlust für alle Beteiligten: Das Vereinigte Königreich verliert an Gewicht auf der weltpolitischen Bühne und zugleich seinen Zugang zum weltweit größten Binnenmarkt. Auf der anderen Seite muss die Europäische Union den Verlust ihres wichtigsten Finanzplatzes und damit ihres Tors zum Commonwealth hinnehmen. Für Touristiker wird das Leben ebenfalls nicht leichter. Auch wenn sich mancher derzeit mehr britisches Geschäft verspricht, durch den Kursverfall der britischen Währung.

Die Rückkehr zur isolierten nationalstaatlichen Koexistenz liegt derzeit in der Luft. Doch damit verspielen die Länder nicht nur das politische Kapital Europas, sondern auch grundlegende wirtschaftliche Potenziale für die Zukunft. Nun müssen die EU-Vertreter dafür sorgen, dass der Brexit kein Präzedenzfall für andere EU-Staaten wird. M.E. ist die Zeit des Rosinenpickens für alle Nörgler und Abweichler vorbei, jetzt muss die EU Kante zeigen: out is out, wie es unser Finanzminister im Vorfeld gesagt hat.

Für die zukünftige institutionelle Ausgestaltung der EU wird aber auch deutlich: Eine „ever-closer-union“ ist kein Weg, den alle mitgehen. Es muss aber auch damit Schluss sein, dass die Politiker in den Mitgliedsstaaten die EU für eigene Fehler und Versäumnisse verantwortlich machen. Europas Glaubwürdigkeit steht und fällt mit dem jeweiligen Rückhalt vor Ort.

Nicht nur die EU erfindet sich derzeit neu, auch der Tourismus ist und bleibt eine sich stetig weiterentwickelnde Industrie, immer am Puls der Zeit. Darüber hinaus ist der Tourismus in einigen Regionen zum Leidtragenden extremistischer Anschläge geworden und muss zunehmend kurzfristig auf politische Entwicklungen reagieren. Zu diesem Thema informierte auch das TrendForum mit spannenden Vorträgen. Doch neben den eher unerfreulichen Themen gibt es auch Lichtblicke am Horizont. So hat sich bspw. der Iran auf der touristischen Landkarte zurückgemeldet und entwickelt sich zum beliebten Ziel für Gruppenreisende.

Um auf die ständigen Veränderungen von Angebot und Nachfrage reagieren zu können, so, wie auf die sich ändernden Wünsche und Ansprüche der Reisenden, ist Marktforschung ein wichtiger Bestandteil des RDA-Angebots. Wir hinterfragen und untersuchen die Entwicklung touristischer Produkte und deren Positionierung im Markt. Der mittelständische Busunternehmer erhält dazu seit Jahren wichtige Informationen von seinem Verband. Auch für die Optimierung und Ausrichtung des RDA-Workshops ist Marktforschung unerlässlich. Somit profitieren RDA-Mitglieder als auch RDA-Workshop-Aussteller und -Besucher gleichermaßen von unserer Marktforschung.

Aus der intensiven Zusammenarbeit mit der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (Herausgeber der ReiseAnalyse) – Dieter Gauf ist Mitglied des FUR-Vorstands – ziehen wir jedes Jahr aktuelle Erkenntnisse und identifizieren Entwicklungen und Trends der gesamten Gruppentouristikbranche. Die wichtigsten Infos nun in aller Kürze:

Deutschland konnte seine ausgezeichnete Reputation als Reiseziel bei ausländischen Reisenden im vergangenen Reisejahr sogar noch weiter steigern. Der Anteil ausländischer Gäste stieg um 6 % auf 35 Mio. Touristenankünfte. Analog dazu verzeichnete das Statistische Bundesamt für das vergangene Jahr 5,4% mehr Übernachtungen ausländischer Touristen in Deutschland. Die Zahl aller Übernachtungen deutscher sowie ausländischer Gäste erhöhte sich insgesamt um 2,9% auf 436,2 Mio.

Bei den Eckzahlen zum Urlaubsvolumen insgesamt lässt sich anhand der ReiseAnalyse der FUR eine weitgehende Stabilität auf sehr hohem Niveau feststellen: 53,4 Mio. Urlaubsreisende unternahmen 2015 69,1 Mio. Urlaubsreisen. Das entspricht einer Urlaubsreiseintensität von 77%. Dies ist der Anteil der Bevölkerung, der im Jahr mindestens eine Urlaubsreise von mindestens 5 Tagen Dauer macht.

Die Ausgaben für Urlaubsreisen summierten sich auf € 65,9 Mrd. Dazu kommen 31,7 Mio. Kurzurlaubsreisende (2 bis 4 Tage) mit 77,1 Mio. Reisen und Gesamtausgaben von € 21,1 Mrd. Hier gab es leichte Zuwächse sowohl bei der Anzahl der Kurzurlaubsreisen als auch bei den Ausgaben.

Doch auch Deutschland als Reiseland ist auf der Überholspur. Die Zunahme der Touristenankünfte um 3,7% auf insgesamt 166,8 Mio. im Jahr 2015 spiegelt die Attraktivität Deutschlands als Destination wieder.

Lassen Sie mich nun zur aktuellen Situation der Bustouristik kommen.

Outgoing- und Binnentourismus
4,3 Mio. Deutsche haben im Jahr 2015 4,8 Mio. Busurlaubsreisen unternommen. 7% aller Urlaubsreisen waren demnach Busurlaubsreisen. Diese wurden von 6% der deutschen Reisenden unternommen.

Von den 20 Mio. Deutschlandreisen fanden 1,5 Mio. mit dem Bus statt. Somit sind 8% aller Urlaubsreisen der Deutschen innerhalb Deutschlands Busreisen.

Bei der Verteilung der Busurlaubsreisen auf in- und ausländische Ziele verlor das Inland im Vorjahresvergleich 7 Prozentpunkte auf 32%, zugunsten ausländischer Ziele die ihren Marktanteil um 7 Prozentpunkte auf 68% steigern konnten.

Bei den Top 5 der nationalen Ziele deutscher Busurlaubsreisen hat Mecklenburg-Vorpommern Bayern auf Platz zwei verwiesen, gefolgt von Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Trend gen Norden: Schleswig-Holstein konnte seinen Anteil um ein Drittel steigern und Mecklenburg-Vorpommern um mehr als ein Viertel.

Schaut man auf die Bedeutung des deutschen Bustourismus für einzelne Bundesländer, liegt die deutsche Hauptstadt vorn. Von allen Urlaubsreisen der Deutschen nach Berlin sind 21% Busreisen. Gefolgt von Baden-Württemberg mit 13% und direkt auf dem Fuß sind Rheinland-Pfalz/Saarland und Hamburg mit je 11% und Mecklenburg-Vorpommern mit 9%. Bemerkenswert auch: Berlin hat sich im letzten Jahr zur Bushauptstadt gemausert und satte 9 Prozentpunkte zugelegt.

Internationale Ziele der Bustouristik
Bei den internationalen Zielen der deutschen Busurlauber (=100%) liegt Italien (20%) vor Österreich (15%), Polen (15%), Spanien (8%), und Frankreich (7%). Es lohnt aber auch, einen Blick zu werfen auf die unterschiedliche und teilweise enorme Bedeutung, die die Bustouristik für einzelne Länder hat.

So sind 29% aller Reisen der Deutschen nach Tschechien Busreisen. Auch 28% aller Polenreisen, 13% der Österreichreisen, 13% aller Ungarnreisen und 13% aller Großbritannienreisen sind Busreisen. Vor allem die osteuropäischen Destinationen haben ihren Anteil behauptet. Es zeigt sich eindeutig, der Busreisende ist bei den Zielen sehr vielfältig und sucht nicht nur Sonne und Strand.

Vergessen darf man bei dieser Analyse aber nicht, dass grundsätzlich alle Destinationen von deutschen Busurlaubsreisen profitieren. Denn die Bustouristik verlängert die eigentliche touristische Hauptsaison, da ihre Spitzenzeiten in den Monaten Mai, Juni und September liegen. Juli und August sind die Hauptreisezeiten aller sonstigen Urlauber. Übrigens: Die durchschnittliche Dauer deutscher Busurlaubsreisen beträgt 10 Tage.

Doch der Bus ist auch bei den Tagesreisen nicht wegzudenken, denn 6% aller Tagesreisen werden mit dem Bus unternommen. Damit ist der Bustourist auch in der Ausflugsgastronomie, bei Attraktionen und Veranstaltungen eine verlässliche Zielgruppe und Einnahmequelle.

Incoming mit dem Bus
Bei den Urlaubsreisen, die aus ganz Europa nach Deutschland gehen, beträgt der Marktanteil des Reisebusses als Hauptreiseverkehrsmittel 8%. Es wurden nur die Gäste erfasst, die mit dem Bus nach Deutschland einreisen. Touristen, die bspw. mit dem Flugzeug anreisen – bei Reisen aus Übersee immerhin 97% – und dann zu Rundreisen mit dem Bus starten, sind dabei nicht erfasst. Genauere Untersuchungen hierzu seitens der Deutschen Zentrale für Tourismus brächten auch für das Marketing der Regionen und Länder entscheidende Erkenntnisse.

Gruppenreisen sind hoch im Kurs
Gruppenurlaubsreisen sind bei den Deutschen beliebt, besonders als Pauschalreise. 85% der Gruppenreisenden bevorzugen pauschalierte Reisen. Und 61% der Reisenden deutscher Reisegruppen nahmen 2015 den Bus.

Erstaunlich auch: Erstmals ist die Nutzung des Flugzeugs in der Gruppenreise zurückgegangen von 27% im Jahr 2014 auf 23% 2015. 75% der Gruppenreisegäste übernachten im Hotel.

Wer reist wie und wann mit dem Bus?
Der Busurlaubsreisende im Vergleich mit dem Gruppenreisenden

Generell gilt: Der Deutsche vereist gern. Bei der Anzahl der Urlaubsreisen (ab 5 Tagen Dauer, Mittelwert) liegt der Gruppentourist mit 1,7 kurz vor dem Busreisenden mit 1,5 Reisen pro Jahr.

Die Ausgaben betragen pro Person und Reise in der Bustouristik 784 EUR (Mittelwert). Der Bustourist hat sich seit dem letzten Jahr um zwei Jahre verjüngt, auf durchschnittlich 56 Jahre. Nach der bequemen Anreise mit dem Sternebus will der Urlauber auch unterwegs oder am Ziel nicht auf Komfort verzichten. So nächtigten 67% der Busreisegäste im Hotel.

Der Bus hat aber auch viele Fans bei den 14-19jährigen. 13% der Busreisen werden von dieser Zielgruppe unternommen. Und die Popularität des Fernlinienbusses trägt dazu bei, dass junge Erwachsene, Familien, und die Generation unter 50 zunehmend Interesse an einer Busreise zeigen.

Das Haushalts-Netto-Einkommen des Bustouristen beträgt im Mittel 2.250 EUR.

64% Prozent der Gruppenreisenden zeigen generelles Interesse an einer Busreise in den nächsten drei Jahren und 75% der Bustouristen planen die Wiederholung einer Busreise.

Trends bei den Rundreisen
In diesem Jahr haben wir das Reiseverhalten bei der klassischen Rundreise, bei der auf einer Route verschiedene Orte besucht werden, näher untersucht. Die Rundreise dauert oft länger als die durchschnittliche Urlaubsreise. Rundreisen sind besonders für Reisende interessant, die ein fremdes Land und die dort lebenden Leute kennenlernen möchten, frei nach dem diesjährigen Workshop-Motto: „Meet the locals - Authentisch Reisen“. Da sich immer mehr Reisende nach authentischen Erfahrungen und Abstand zum Alltag sehnen, erfreut sich die Rundreise zunehmend wachsender Beliebtheit.

Dies belegen auch die Zahlen: 6,07 Mio. Deutschen haben im Jahr 2015 6,80 Mio. Studienreisen unternommen. 17% dieser Reisen haben im Inland stattgefunden und 83 Prozent hatten das Ausland zum Ziel.

Bei den internationalen Zielen führt Italien die TOP 5 an, vor den USA, vor der Türkei, Frankreich und Spanien.

Der durchschnittliche Rundreisende verfügt über ein Haushalts-Netto-Einkommen  von 3.113€ (Mittelwert), unternimmt 1,6 Urlaubsrundreisen (ab 5 Tage Dauer, Mittelwert), seine Reiseausgaben betragen pro Person und Reise 1.578 € (Mittelwert), er ist 52 Jahre alt und 36% haben in den nächsten drei Jahren Interesse an einer Busreise bekundet.

Hauptverkehrsmittel der Rundreisen
Bei den Hauptverkehrsmitteln der Deutschen an allen Rundreisen dominiert das Flugzeug mit einem Anteil von 43% vor dem PKW mit 19%, vor dem Reisebus mit 16%, dem Kreuzfahrtschiff mit 11% und den Schluss bildet die Bahn mit 2%.

Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass der Bus auch bei der Anreise mit dem Flugzeug omnipräsent ist. Bereits im Jahr 2012 stellte der RDA mit Hilfe einer Sonderfrage in der ReiseAnalyse das erweiterte Potenzial des Busses durch multimodalen Reiseverkehr heraus.

Danach haben 1,4 Mio. Flugurlaubsreisende im Zielgebiet eine mehrtägige Rundreise per Bus unternommen. Insgesamt hatten 19,4 Mio. Urlauber, die mit anderen Verkehrsmitteln ins Zielgebiet reisten, zusätzlich den Bus für Ausflüge, Rundfahrten und Transfers genutzt.

2014/15 sind wir noch ein Stück weiter gegangen. Die ReiseAnalyse untersuchte auch die Mobilitätskette aller genutzten Verkehrsmittel während der Urlaubsreise der Deutschen. Ziel war es, die Strukturen typischer Mobilitätsketten herauszuarbeiten, um so auch die Hintergründe der Verkehrsmittelwahl genauer untersuchen zu können.

Es hat sich gezeigt, dass der Bus als Shuttle/Transferbus unschlagbar bei der An- und Abreise zum Flughafen (38%) oder Bahnhof (4%) ist. Den Hafen erreichen 14% der Gäste mit dem Shuttle/Transferbus und 11% direkt mit dem Reisebus. Oft wird der Reisebus als Begleitfahrzeug während einer gesamten Flusskreuzfahrt genutzt. D.h. der Gast bucht die Reise direkt beim Busunternehmer und dieser schnürt ein eigenes Ausflugsprogramm exklusiv für seine Gäste und nutzt das Schiff als schwimmendes Hotel.

Auf einer von vier Schiffsreisen wird der Reisebus zudem für Ausflugsfahrten genutzt, ebenso bei 12% der Flugreisen und bei immerhin 5% der Bahnreisen. Jeder zweite Busreisende nutzt den Reisebus auch zur Fortbewerbung in der Urlaubsregion, was sich in dem hohen Anteil von Rund- und Gruppenurlaubsreisen bei Busreisen wiederspiegelt.

Der Fernlinienbus – eine Erfolgsgeschichte
Wie Sie wissen, hat der Fernlinienbus einen außerordentlichen Durchmarsch hingelegt. Geschätzte 20 Mio. Fahrgäste im Fernlinienverkehr geben ein deutliches Votum für diese Beförderungsart. Die Bahn, aber auch die innerdeutschen Fluggesellschaften bekommen die Konkurrenz zu spüren.

Momentan verfestigt sich allerdings der Eindruck, als ob der Erfolg einigen Fernbusunternehmen zu Kopf gestiegen ist. Es wird vor allem verkannt, worauf dieser basiert: Auf dem partnerschaftlichen Miteinander von Fernlinienanbietern und Partnerbusunternehmen.

Ein Einstieg von Fernlinienanbietern in den Anmietverkehr fördert den Wettbewerb im eigenen Haus gegen die sogenannten Partnerbetriebe, sprich die mittelständischen Busunternehmer. Doch genau diese bilden das Fundament der Fernlinienanbieter und sind ihrerseits allesamt im Gelegenheitsverkehr tätig. Durch die Marktstellung im konkreten Fall von FlixBus wird in erster Linie noch mehr Preisdruck in einem ohnehin ruinösen Anbieterumfeld erzeugt. Viele Mitglieder im RDA sind gegen eine solche Ausweitung durch FlixBus in das Kerngeschäft der am Markt befindlichen Busunternehmen und dem kann ich mich nur anschließen. Meines Erachtens geht es bei diesem Thema auch um Loyalität – und zwar gegenüber den Geschäftspartnern – nicht um Umsatz um jeden Preis. Dies zerstört langfristig Vertrauen.

Loyal und solidarisch hat sich auch der RDA gegenüber den Fernbusunternehmern von Anfang an gezeigt. Auch zuletzt, als die Verkehrsministerkonferenz den Erfolg des Fernlinienbusverkehrs zum Anlass nahm, eine generelle Maut für Busse zu fordern. Wir haben uns umgehend und in aller Deutlichkeit gegenüber der Politik gegen eine Busmaut ausgesprochen.

Nur zur Erläuterung: Eine Busmaut würde einerseits nicht nur zu massiven Wettbewerbsverzerrungen im Verhältnis zu den konkurrierenden Verkehrsträgern führen, sondern andererseits auch die Betriebe bestrafen, die von der Liberalisierung nicht profitieren, da am Fernlinienverkehr nur einige Portale und deren Subunternehmer verdienen. Eine Maut aber würde alle ca. deutschen 4.000 Busunternehmer belasten.

Eine Busmaut ist aber nur eine von vielen Repressionen, denen sich ein Unternehmer heute zunehmend ausgesetzt sieht. Die sich häufenden Eingriffe der staatlichen Regulierungswut schränken die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Geschäftsfeld zunehmend ein. So stellt das schweizerische IMD World Competitiveness-Center fest, dass die Deutschen nicht genügend tun, um die gute Position im weltweiten Ranking zu behalten.

Deutschland ist bei Steuern und Abgaben Spitze
Das komplizierte Steuersystem und der stark überregulierte Arbeitsmarkt sind u.a. mitverantwortlich, dass Deutschland seinen Platz unter den „Top Ten“ eingebüßt haben. Kontinuierliche Wohltaten im Sozialwesen, beim Mindestlohn oder bei den Renten müssen auf Seiten der Unternehmen zuerst verdient werden, bevor das Geld durch den Willen der Politik wieder umverteilt wird. Um nur mal eine Zahl zu nennen: Die Sozialleistungen haben im letzten Jahr ein neues Rekordhoch erreicht. Sie stiegen um knapp fünf Prozent auf 888,2 Milliarden Euro!

Auch die OECD hat im April in ihrem Bericht Taxing Wages 2016 festgestellt, dass die Gesamtbelastung von Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben in Deutschland nach wie vor weit über dem OECD-Durchschnitt liegt. Auch bei fast allen anderen untersuchten Haushaltstypen liegt die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland im OECD-Vergleich an der Spitze. Vor allem die im internationalen Vergleich hohen Sozialbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer führen zu einer insgesamt hohen Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen.

Wir bewegen uns stetig auf einen Zustand wie vor der Agenda 2010 zu. Dazu gehört auch, dass die Arbeitskosten in Deutschland im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um über 3 Prozent gestiegen sind. Die Arbeitnehmer können sich freuen, doch Unternehmen sind zu Recht beunruhigt: Die steigenden Arbeitskosten bedeuten für sie Wettbewerbsnachteile – und letztlich könnte das auch die Arbeitnehmer empfindlich treffen.

Laut Statistischem Bundesamt sind die Arbeitskosten hierzulande bereits fünf Jahre in Folge schneller gestiegen als im EU-Durchschnitt. Das wäre unproblematisch, wenn die Produktivität in gleichem Maße zugelegt hätte. Doch das war nicht der Fall. Entsprechend schlagen die höheren Arbeitskosten voll auf die Lohnstückkosten durch: Im Jahr 2015 lagen sie im Verarbeitenden Gewerbe um 15 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2007.

Die expansiven Lohnerhöhungen hierzulande helfen der Konjunktur, anders als gern von den Gewerkschaften angeführt, außerdem in keiner Weise: Die OECD erwartet für 2016 und 2017 in Deutschland schwächere Wachstumsraten als im Durchschnitt der Eurozone.

Es scheint so, dass wir im internationalen Wettbewerb künftig das Nachsehen haben werden, das erinnert mich an das Prädikat „Deutschland, der kranke Mann Europas“, das wir in den späten1990er und den frühen 2000er Jahren hatten. Wollen wir in eine solche Lethargie-Phase mit den höchsten Arbeitslosenzahlen zurück?

Omnibusunternehmen wollen modernisieren und investieren
Nach diesem negativen Szenarium möchte ich mit einem positiven Ausblick schließen. Trotz rückläufiger Anzahl der Omnibusunternehmen, die im Gelegenheitsverkehr operieren, sind die Fahrgastzahlen weitestgehend stabil. Trotz weiterer geplanter Kostensenkungsmaßnahmen der deutschen Omnibusunternehmen, wird der Fokus nun auf die Modernisierung und Ersatzbeschaffung gelenkt. Somit rechnen fast 83 % der Busunternehmen mit einer gleichbleibenden und teilweise sogar besseren Geschäftslage im nächsten Geschäftsjahr dieses diversifizierten Marktes.

 

Also insgesamt gute Aussichten für die Bus- und Gruppentouristik in 2016.

 

 

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