Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
rda.de > News & Presse > Nachrichten > Verband > Verband Detail
02.04.2014

Der Fahrerplatz bleibt unbesetzt: Studie warnt vor personellen Engpässen

Während die steigende Zahl der Senioren und neue Zielgruppen die Reisebusse füllen, wird der Platz des Bus-Chauffeurs in Zukunft immer häufiger unbesetzt bleiben. Eine aktuelle Studie des Internationalen Bustourismusverbandes (IBV) warnt vor einem personellen Engpass in der Branche und erkennt die Gründe für den Fahrermangel nicht nur im demografischen Wandel.

Für die Busbranche bedeutet der demografische Wandel sowohl Segen als auch Fluch: Während mit der Generation 60plus auch die wichtigste Zielgruppe der Bus-touristik wächst, steuert der hohe Altersdurchschnitt der Chauffeure das Gewerbe in einen personellen Engpass. Denn fast 70 Prozent der Fahrer sind älter als 45 Jahre. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die von der PAON GmbH im Auftrag des IBV durchgeführt und am 3. April auf einer Tagung des Verbandes in Brügge vor-gestellt wurde.

Die Analyse stützt sich auf eine bundesweite Online-Befragung von fast 750 Bus-unternehmern. Der hohe Rücklauf von rund 26 Prozent dokumentiert das große Interesse der Branche am Thema und stellt die Studie auf eine solide Datenbasis.

Neuer Bedarf durch den Fernlinienbusverkehr
Die Autoren der Studie prognostizieren für die von ihnen befragten Unternehmen einen jährlichen Bedarf an etwa 2400 neuen Bus-Chauffeuren. Denn von den 144 000 Fahrern, die gegenwärtig jedes Jahr über fünf Milliarden Fahrgäste im Personennah- Fern- und Reiseverkehr befördern, werden künftig nicht nur viele aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das rasch expandierende Netz der Fernlinienbusse begeistert neue Zielgruppen für die Mobilität mit einem preiswerten und umwelt-freundlichen Verkehrsmittel. Und erzeugt damit eine zusätzliche Nachfrage nach Fahrern. Zudem erwarten knapp 37 Prozent der Befragten auch im klassischen Reiseverkehr ein Wachstum.

Der personelle Engpass wird durch den akuten Nachwuchsmangel in der Branche verstärkt. Denn nicht einmal acht Prozent der Fahrer sind unter 30 Jahren. Und die Erteilung neuer Fahrerlaubnisse für den Bus geht signifikant zurück.

Für mehr als die Hälfte der Unternehmer ist die Deckung des Personalbedarfs ein Problem. Die Gründe sehen sie neben den besonderen Beschäftigungsbedingungen mit Wochenend- und Schichtarbeit auch in einem grundsätzlichen Mangel an qualifiziertem Personal auf dem Arbeitsmarkt und dem schlechten Image der Branche.

„Um neue und vor allem auch junge Menschen für den Beruf des Bus-Chauffeurs zu interessieren, muss die Branche mit den attraktiven Seiten ihrer Arbeitsplätze werben“, betont Hermann Meyering. „Denn wer gerne mit Menschen kommuniziert und offen für andere Kulturen ist, findet in der Bustouristik spannende Aufgaben mit Anstellungsgarantie“, erklärt der IBV-Vizepräsident.

Bafög für Bus-Chauffeure
Laut Meyering will die Branche künftig auch neue Arbeitsmärkte erschließen. Dabei hat er vor allem die Frauen im Blick, die bisher nicht einmal zehn Prozent der Bus-Chauffeure stellen. Und Migranten. „Viele Busunternehmer machen bereits gute Erfahrungen mit ausländischen Fahrern“, stellt Meyering fest. „Denn diese Menschen kommen oft aus Kulturen, in denen Gastfreundschaft und Service zur Tradition gehören und erfüllen damit einen wichtigen Teil des Anforderungsprofils für Bus-Chauffeure“, weiß Meyering. „Und die deutsche Sprache haben sie in einem Kurs schnell gelernt.“

Die IBV-Studie zeigt noch weitere Wege aus dem personellen Engpass auf. Dazu gehört neben neuen Arbeitsverhältnissen in Teilzeit und der Nutzung neuer Medien für die Personalgewinnung auch ein stärkeres Engagement der Betriebe für die eigene Ausbildung von Nachwuchskräften. Die Kosten hierfür können durch Kooperationen reduziert und durch finanzielle Leistungen der öffentlichen Hand gestützt werden.

Hermann Meyering nimmt auch die Politik in die Pflicht. „In die Ausbildung eines Fahrers muss ein Unternehmer etwa 10 000 Euro investieren. Weil diese Summe die finanziellen Möglichkeiten vieler Betriebe übersteigt, fordert der IBV ein Bafög für Bus-Chauffeure.“

 

Kontakt

Annette Heinemann
Telefon: +49 2244 90 33 33
Telefax: +49 2244 87 74 22
E-Mail: presse@rda.de

Benutzer Anmeldung

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden: