Das starke Netzwerk für Gruppenreisen
rda.de > News & Presse > Nachrichten > Detail Topnachricht Bustourismus
10.01.2017

Tag der Bustouristik in Bremen: Experten diskutierten Handlungsbedarf

Dieter Gauf (l.) und Heinrich Marti (r.) bedanken sich bei Peter Siemering für die Gastfreundschaft

Heinrich Marti begrüßt die Teilnehmer

Norbert Fiebig mahnt die Politik

Dieter Gauf, Spiritus Rector des Tags der Bustouristik

Fabian Stenger erläutert den Aufstieg von FlixBus

Klaus Eikmeier weiß was Jugendliche wünschen

Prof. Dr. Harald Bartl prangert zu viel Verbraucherschutz an

Auf dem Tag der Bustouristik am 9. Januar 2017 in Bremen wurden die rasanten Veränderungen der Rahmenbedingungen und neue Entwicklungen in der Bus- und Gruppentouristik beleuchtet. Im GOP Varieté- Theater Bremen erlebten die über 260 Teilnehmer Expert-Statements sowie eine Podiumsdiskussion unter Teilnahme des Plenums. Der Tag der Bustouristik fand auch eine breite Resonanz in den nationalen Leitmedien wie Focus, Süddeutsche Zeitung oder Bild Zeitung die titelte: „Verband: Fernbusse bringen Imagegewinn - aber Warnung vor Maut“.

Peter Siemering, Geschäftsführer Bremer Touristikzentrale und Vizepräsident des Deutschen Tourismusverbandes DTV, erörterte in seinem Grußwort die zahlreichen attraktiven Angebote von Bremen und Bremerhaven für die Bus- und Gruppentouristik. „Bremen und Bremerhaven zeigen deutlich, dass sie ihr Licht nicht mehr unter den Scheffel stellen will.“ Dies demonstriert bereits der neue Imagefilm mit dem Titel „Our story is made of Stars.“

Weiterer Vorteil: Die Angebote für die Bus- und Gruppentouristik gibt es aus einer Hand in der Bremer Touristik-Zentrale. Zudem können Busse die Attraktionen in der Stadt direkt anfahren. Doch auch das exzellente Preis-Leistungsverhältnis in Hotellerie und Gastronomie spreche für Bremen, so Siemering. Beim Get-together am Vorabend konnten sich die Teilnehmer bei Kohl und Pinkel in der Bremer Überseestadt ein erstes Bild davon machen.

Heinrich Marti, RDA-Vizepräsident, der den Branchen-Kickoff in das neue Jahr eröffnete, wartete gleich zu Beginn mit einigen Neuerungen auf. Marti: „Damit entsprechen wir insgesamt dem aktuellen Motto der Tagung und natürlich wollen wir die Attraktivität des RDA und der RDA Messen steigern.“ Marti führte aus, dass nachdem 2016 mit Friedrichshafen die RDA Messen einen zusätzlichen Standort bekamen und die Modernisierung des Mutterstandorts Köln forciert wurde, dieser erfolgreichen Entwicklung 2017 mit einem neuen Namen Rechnung getragen werde. Mit der Umbennenung in RDA Group Travel Expo werde ein Messename aufgegeben, der über weite Strecken in den letzten Jahren missverständlich war. Gleichzeitig gehe man konsequent den Weg der Internationalisierung weiter, aber auch den Weg der sich öffnenden Märkte: weg von reiner Bus- hin zu differenzierter Gruppentouristik. „Wir müssen berücksichtigen, dass die Markteilnehmer insgesamt weniger werden, das Marktvolumen aber weiter steigt. Die Kontakte auf den RDA Group Travel Expos sind also insgesamt werthaltiger.“

Ferner zeigte er sich überzeugt, dass der RDA mit seinem Krisenmanagement und verbandlichen Beratungsleistungen sowie Konzepten wie „bus.de“ der Branche in dieser Umbruchsituation Lösungen anbieten kann.

Die RDA-Workshop Touristik-Service GmbH stellt sich aber auch personell neu auf: Deren Geschäftsführung hat am 1. Januar 2017 Benedikt Esser, RDA-Vizepräsident und Geschäftsführer der Busunion in Hürth bei Köln, von Dieter Gauf übernommen. RDA-Hauptgeschäftsführer Gauf hatte bis zum Jahresende 2016 in Doppelfunktion auch die Geschäftsführung der RDA-Workshop Touristik-Service GmbH ausgeübt und wird sich nun wieder auf seine Verbandsaufgaben fokussieren.

Marti: „Ausdrücklich möchte ich mich bei RDA-Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf bedanken, für den erfolgreichen der Umbau der RDA Messen.“ Marti begrüßte zudem zahlreiche nationale und internationale Fachleute der Bus- und Gruppentouristik.

Dieter Gauf, Spiritus Rector der Veranstaltung, sah in seinem Eingangsstatement neben Problemen aber auch Chancen, bisher unzugängliche Märkte mit neuen Methoden und Angebotsvariationen aufzuschließen. Busreiseveranstalter waren schon immer Pioniere bei der Entdeckung von Destinationen und Routen. Zudem haben sie mit Rundreisen von Anfang an zur touristischen Erschließung vieler Zielgebiete abseits der Ballungszentren des Massentourismus beigetragen. Gauf riet dazu, sich dieser Fähigkeiten zu besinnen und sie für die Planung und Durchführung von Reisen in exotische Ziele anzuwenden.

Der RDA sieht sich bei bisher unbekannten und exotischen Destinationen auch als Türöffner für die Gruppentouristik. Der Verband will den Tourismusorganisationen in neuen Märkten aufzeigen, dass viele der Busreiseveranstalter ein substantielles Potenzial an Stammkunden für diese Ziele haben. Dabei geht es auch um Marketingplanung und Kampagnen, an die sich die mittelständischen Veranstalter ankoppeln können.

Mit den Auswirkungen von Krisen und veränderten Rahmenbedingungen auf die Tourismuswirtschaft befasste sich Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes, in seiner Keynote. „Wir werden uns in den nächsten Jahren auf Krise und Terror einstellen müssen“, so seine Prognose. Er appellierte aber auch an die Branchenkollegen, vom Terror betroffene Länder nicht abzuschreiben. „Türkei, Ägypten und Tunesien benötigen unsere Hilfe, um wirtschaftlich wieder nach vorn zu kommen. Fremdenfeindlichkeit schadet aber auch dem Tourismus in Deutschland.“

Innenpolitisch beklagte er den mangelnden Beistand der Politik, Stichwort Pauschalreiserichtlinie: „Mal ehrlich, Unterstützung für die Branche sieht anders aus. Tourismus muss in der Politik insgesamt als Wirtschaftsfaktor stärker wahrgenommen werden.“ Dass die Schwarztouristik bei der Pauschalreiserichtlinie weiterhin ungeschoren davon komme, bedauerte Fiebig. „Die Politik will sich mit Kirchen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen nicht anlegen.“ Ein weiteres Ärgernis sei zudem die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung. Zudem musste auch der organisierte Reisemarkt bei „Fun und Beach“ Federn lassen. Vermehrt hätten die Deutschen direkt bei Veranstaltern und Portalen gebucht und nicht über das Reisebüro. „Das Kundenverhalten ist nicht statisch“, so Fiebig. Der Mehrwert einer Veranstaltereise für die Reisenden müsse deutlicher dargelegt werden.

Fabian Stenger, Geschäftsführer FlixBus DACH GmbH, schilderte den Weg des Startups zur Nummer eins im Fernlinienbusgeschäft – und die Erfahrungen beim Einstieg in das Mietomnibusgeschäft. „Die Kompetenzen des ursprünglichen Teams lagen ganz eindeutig im Marketing, im Vertrieb, sowie in der Streckenplanung.“ Das seien auch heute noch die Kernkompetenzen von FlixBus mit nun über 1.000 Mitarbeitern.

„Heute haben wir aber auch starke Buspartner, sind mit unserem Team extrem nahe am Kunden, können im Gegensatz zu Großkonzernen flexibel reagieren und haben so gemeinsam einfach das beste Angebot am Markt aufgebaut. Dazu gehört definitiv Vertrauen in die eigene Idee und der Mut diese dann auch konsequent umzusetzen. Hier ist unser wichtigster Erfolgsfaktor der richtige Partner, der nicht nur die gleiche Motivation mitbringt, sondern dieses Vertrauen und die Einstellung teilt“, begründet Stenger die Erfolgsfaktoren von FlixBus. Das wichtigste sei aber nach wie vor die Technologieplattform. Heute hat FlixBus durch Zukäufe und Konsolidierung des Marktes einen Marktanteil von über 90 Prozent in Deutschland und ist europaweit aktiv.

Der Fernlinienbus soll aber weiter als Alternative für den Städtetourismus, Mietomnibus- und Vereinsfahrten ausgebaut werden, also Kerngeschäftsfeldern der Busunternehmer. Stenger sieht diese Entwicklung von „FlixBus mieten“ positiv und betont die Chancen für die Bustouristik allgemein: „Durch eine junge, sehr bekannte Fernbus-Marke und mittlerweile internationale Plattform erschließen wir dem Buschartergeschäft neue Zielgruppen. Plötzlich denken Kunden über den Gruppenausflug per Charterbus nach, die diese Alternative vorher überhaupt nicht auf dem Zettel hatten. Dieser zusätzlichen Nachfrage können wir jetzt über die Online-Plattform das entsprechende Angebot liefern.“ Nach anfänglicher Skepsis sei die Rückmeldung der Busunternehmer deshalb auch mittlerweile positiv, da der Großteil der vermittelten Fahrten durch die Buspartner erbracht werde. „Findet unser Engagement jeder in der Branche grundsätzlich gut? Vielleicht nicht. Aber wir sind unseren Mittelstandspartnern verpflichtet, nicht jedem.“ Stenger rät den Busunternehmern, offen für Neues zu sein und mit Unternehmergeist Chancen zu erkennen. „Es bringt sicher nichts, sich einer neuen Entwicklung grundsätzlich zu verschließen. Letztendlich muss aber jeder Unternehmer für sich selbst entscheiden, inwiefern er diese mitgeht“, so Stenger.

„Beziehungskiste im Fernbuszeitalter – Bus sucht Gruppe für gemeinsame Unternehmungen“ lautete der launige Titel von Klaus Eikmeier, Vorsitzender Reisenetz e.V., Deutscher Fachverband für Jugendreisen. „Kinder- und Jugendliche sind eine der reiseaktivsten Altersgruppen überhaupt. Von den in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 26 Jahren werden jährlich über 60 Millionen Mehrtagesreisen unternommen“, so Eikmeier. Es werden dabei nur solche Reisen gezählt, die ohne Begleitung der eigenen Eltern oder Großeltern stattfinden. Bei den Tagesausflügen liegen Zahlen nur für die Gruppe der 14- bis 26-Jährigen vor. Sie unternehmen jährlich 482 Millionen Tagesfahrten. Eikmeier geht davon aus, dass auch die Fernbuslinien zu einem beachtlichen Prozentsatz von den individuellen Urlaubs- und Fernreisen profitieren werden.

Eikmeier weiter: „Bei den Schulfahrten und Uni-Exkursionen klemmt es aber, da hätte ich eine höhere Akzeptanz für die Fernbuslinien erwartet. Die Zurückhaltung ist erklärbar: Wenn der Fernbus die Alternative zu Flug oder Bahn sein soll, stehen überfüllte Straßen, der Zeitaufwand, bzw. die Reiseentfernung dagegen. Wenn es um Fernlinien- oder Mietomnibus geht, ermöglicht der Mietomnibus den individuelleren Reiseverlauf, die Nutzung am Zielort und das Gruppenerlebnis an Bord. Im Regelfall punktet der Mietomnibus bei größeren Gruppen auch mit günstigeren Preisen. Potenzial sehe ich bei Kleingruppen.“ Sorgen machen ihm allerdings Portale wie Airbnb u. ä., deren rasante Entwicklung sich für den Gruppenmarkt noch nicht absehen lasse.

Den anwesenden Busunternehmern riet er, mit einer Charme- und Qualitätsoffensive und klaren Botschaften für das eigene Unternehmen zu werben und vor allem die Busfahrer für die Belange der jeweiligen Zielgruppen zu sensibilisieren.

Teuer wird die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht für die Branche. Prof. Dr. Harald Bartl schätzt die Kosten der Zusatzbelastung allein für die RDA-Mitglieder auf rund 60 Millionen Euro, ohne eine, für den Verbraucher relevante Zunahme des Verbraucherschutzes. Vor allem die unberechtigten Ausnahmen für gelegentliche Anbieter – ergo Schwarztouristiker – ohne Sicherungsschein weiterhin Reisen verkaufen zu dürfen, sei ein Unding, so der stets streitbare Rechtsexperte.

Die EU-Pauschalreiserichtlinie sollte im Einklang sein mit dem Subsidiaritätsprinzip, dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen und dem Grundsatz der Eignung der Maßnahme für das jeweilige „Ziel“. Keiner dieser Ansprüche ist für Prof. Bartl gegeben. Allerdings hat er wenig Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte: „Denn nur die Bundesregierung hätte vor dem EuGH gegen die Verfehlung des Subsidiaritätsprinzips klagen können. Hat sie aber nicht.“

Es sei allein den Verbänden wie DRV, RDA und weiteren zu verdanken, dass im nun gültigen Regierungsentwurf noch einige Änderungen zum Referentenwurf vorgenommen wurden. Prof. Bartl: „Ich gehe davon aus, dass das Ende der Fahnenstange im Verbraucherschutz noch nicht erreicht ist. Denn die EU sieht im Verbraucher nicht den umsichtigen, kritisch prüfenden Menschen, sondern eine Art „Hans im Glück“, dem ständig geholfen werden muss."

RDA-Vizepräsident Benedikt Esser stellte in seinem Vortrag die provozierende Frage: Auslaufmodell Familienbetrieb – verdrängen Konzerne, Venture Capital, bürokratische Hürden, die mittelständischen Bustouristikunternehmen? „Ja“, so Esser und er beklagte auch die zu geringen Margen im Mittelstand. Er verwies aber auch auf die RDA eigene Anmietplattform „bus.de“ die nun realisiert wurde und künftig den Mitgliedern zu mehr Geschäft und Umsatz verhelfen soll.

Esser möchte eine Aufbruchsstimmung entfachen z. B. für gemeinsame Maßnahmen der Branche zur Abwehr der Folgen der Gewerbesteuerlichen Hinzurechnung. „Denn dieses Damoklesschwert hängt scharf und schwer über der Branche.“ Esser weiter: „Das ist de facto eine Urlaubssteuer und schadet dem deutschen Urlauber wenn er bei einem heimischen Veranstalter bucht.“ Er forderte die Teilnehmer auf, eine Kampagne des RDA gegen diese Urlaubssteuer zu unterstützen und dankte dem DRV für die gute Zusammenarbeit zu dem Thema.

Außerdem kündigte Esser für das Jahr 2017 die Erstellung einer Knowledgebase – Wissensdatenbank – für Mitglieder an. „Der RDA fördert kleine und mittlere Unternehmen durch Wissen, Berater und Seminare aber auch mit den RDA Group Travel Expos. Der RDA unterstützt Familienunternehmen nachhaltig, damit sie weiterhin eine Erfolgsstory schreiben können“, so seine Überzeugung.

Den Kreis zu den eingangs geschilderten Krisen und Sachverhalten schloss Johannes Hübner, Leiter des RDA-Krisenmanagement RBI, der die Podiumsdiskussion moderiert, in der auch kritische Fragen des Plenums bspw. zu den Fahrgastrechten, behandelt wurden.

Dieter Gauf bedankte sich abschließend bei allen Beteiligten für die Unterstützung insbesondere bei Peter Krüger, Leiter Touristik- und Unternehmens-Service, stellvertretend für das gesamte Team der Bremer Touristik-Zentrale.

Der nächste Tag der Bustouristik findet am 8. Januar 2018 in Saarbrücken statt.

Kontakt

Annette Heinemann
Telefon: +49 2244 90 33 33
Telefax: +49 2244 87 74 22
E-Mail: presse@rda.de