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06.08.2008

RDA-Pressekonferenz: Statement von Richard Eberhardt, RDA-Präsident

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind und darf Sie recht herzlich zu unserer RDA Workshop Pressekonferenz begrüßen. Wir werden die Situation der Bustouristik erläutern, Trends vorstellen und über die Umweltfreundlichkeit des Reisebusses sprechen.

Die Bustouristik hat auch 2007 wieder einen wesentlichen Beitrag für den Tourismus geleistet. Der Reisebus ist mit einem Marktanteil von 9,3% bei den Urlaubsreisen nach Pkw und Flugzeug nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel für die Ferien-fahrt. Doch die Kunden werden zunehmend anspruchsvoller und die Qualitätsansprüche steigen. Busunternehmer müssen darauf mit der mit der Bündelung unternehmerischer Ressourcen reagieren, um ein vielfältiges Reiseangebot zu schaffen und durch Synergien Kosten einzusparen.

Trotz des seit Jahrzehnten stabilen Niveaus bei den Busurlaubsreisen sehen wir nicht mehr eine Branchenkonjunktur, sondern eine Unternehmenskonjunktur. So stehen einer Anzahl von Gewinnern auch Verlierer gegenüber. Die unterschiedlichen Unternehmenskennzahlen sprechen eine klare Sprache. Im Fazit sieht die Mehrheit der Unternehmer die Geschäftsentwicklung für 2008/2009 eher zurückhaltend bis pessimistisch. Rasant steigende Treibstoffkosten sowie steigende Kosten für die Or-ganisation der Reise im Zuge des Wegfalls der 12-Tage-Regelung sind für niedrigere Margen verantwortlich. Eine Weitergabe der steigenden Kosten an den Buskunden ist für viele Unternehmen unvermeidbar.

Busreisen in Kombination mit See- und Flusskreuzfahrten liegen immer mehr im Trend. Hier konnten im Vergleich zum Vorjahr Umsatzzuwächse zwischen 1 und 3% erzielt werden. Auch hochpreisige Rund- und Studienreisen stiegen in der Nachfrage. Und die Jugendreise boomt. Auch der Incomingsektor konnte erneut leicht zulegen.

Das Topziel der Bustouristik, Italien, verlor 2,5 Prozentpunkte. Hier sind gestiegene Preise, Busaussperrungen und Parkraumbewirtschaftungen in Spitzenstädten die Hauptursache für rückläufige Besucherzahlen. Hauptverlierer der letzten Saison ist Spanien. Ein Verlust von 3,1 Prozentpunkten spricht eine deutliche Sprache. Hier rächt sich die Tourismuspolitik Spaniens, die überwiegend auf den Flugtourismus gesetzt hat, und die Bustouristik vernachlässigte. Wobei für einige Regionen Spa-niens Busreisende immer noch eine ganz wichtige Zielgruppe darstellen. Sonne- und Strandziele am Mittelmeer spielen nach wie vor eine große Rolle für den Busunternehmer.

Wie sich aktives Marketing und konsequente infrastrukturelle Arbeit für den Bus auszahlen kann, zeigt Großbritannien. Das Land verzeichnet laut Reiseanalyse (RA) 2008 nach der Tschechischen Republik, die zweithöchste Steigerung bei Busreisen. Für die Insel ist der Bus ein wichtiger touristischer Faktor, rund 29% aller Reisen nach Großbritannien in 2007 waren Busreisen. Auch für die Tschechische Republik ist die Bustouristik neben dem Individualverkehr mit dem Pkw das wichtigste Reisesegment. Ca. 38% aller Reisen die 2007 in das Land führten, waren Busreisen.

In Deutschland spielt vor allem der Städtetourismus eine wichtige Rolle. Mit zahlrei-chen historischen Sehenswürdigkeiten, vielfältigen kulturellen Einrichtungen und Events werden jährlich 2,2 Mrd. Aufenthaltstage durch in- und ausländische Touristen generiert. Den Gesamtbruttoumsatz beziffert eine Grundlagenuntersuchung zum Städte- und Kulturtourismus des DTV auf 82,37 Mrd. Euro.

Im Jahr 2007 fanden nach aktuellen Daten der Reiseanalyse rund 43 Mio. Kurzreisen statt. Rund die Hälfte dieser Reisen waren Städtereisen. Bevorzugtes Verkehrsmittel ist neben dem Pkw vor allem der Bus, der hier einen Marktanteil von 20% hält. Für zwei Drittel der Städte stellt der Bustourismus bereits jetzt einen bedeutenden Eckpfeiler ihrer touristischen Einnahmen dar. Drei Viertel aller Deutschen haben in 2007 eine oder mehrere Urlaubsreisen unternommen. Die Urlaubsreise gehört zum Leben der Deutschen elementar dazu, über 50% verreisen regelmäßig.

Doch der Blick auf den Reisemarkt des Jahres 2007 ist nicht ohne dunkle Flecken. Der propagierte wirtschaftliche Aufschwung ist bisher nicht flächendeckend in den Kassen der Bundesbürger angekommen. Die verbleibende Skepsis vieler Urlauber, ob zukünftig am Konjunkturaufschwung partizipiert werden kann, zeigt sich in einer latenten wirtschaftlichen Verunsicherung. Die Folge sind unter anderem Rückgänge bei den Zweit- und Drittreisen, einem Reisesegment, in dem sensibel auf wirtschaftli-che Entwicklungen reagiert wird. Davon ist besonders die Bustouristik betroffen, denn gerade diese Reisen werden gern und oft mit dem Bus unternommen.

Laut World Travel Monitor haben die Deutschen letztes Jahr 124 Mrd. Euro für Rei-sen ausgegeben. Das entspricht einer Steigerung von einem Prozent gegenüber 2006 und zeigt, wie hoch das Konsumgut Urlaubsreise in der Präferenzskala der Bundesbürger angesiedelt ist. Die Durchschnittausgaben pro Person lagen laut Reiseanalyse (RA) 2008 in der letzten Reisesaison bei 810 Euro. Für Auslandsreisen werden mit 950 Euro pro Person rund 88% mehr ausgegeben als für Inlandsreisen mit 504 Euro pro Person.

Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel

Meine Damen und Herren,
nach den Ausführungen zur wirtschaftlichen Situation der Bustouristik komme ich nun zu den politischen Realitäten.

Ich habe mich in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt und um Unterstützung bei den derzeit drängenden Problemen gebeten. Zunehmend erreichen uns aus den Reihen unserer Mitglieder Nachrichten, dass die erheblich gestiegenen Kraftstoffpreise die Existenz der Unternehmen nachhaltig bedrohen. Immerhin hat die Branche für Treibstoff in einem 12-Monats-Zeitraum ca. 35% Mehrkosten gegenüber 2007 aufzuwenden.

Die Einkaufskosten für Diesel sind deutlich höher gestiegen als die für Benzin. Wir hängen am Treibstoff Diesel und haben deshalb gegenwärtig überproportionale Mehraufwendungen zu verkraften. Ich fordere darum dringender denn je eine Entlastung der Busbranche, sowohl im Reiseverkehr aber auch im ÖPNV, da viele der im RDA vertretenen Busunternehmern in beiden Bereichen tätig sind.

Hinzu kommen, durch die Überregulierung der Branche, mangelnde Flexibilisie-rungsmöglichkeiten. So bindet im Reiseverkehr die Pauschalreiserichtlinie die Reiseveranstalter vier Monate an die bestätigten Preise. Das ist aber bei den rasant gestiegenen Dieselpreisen für viele Unternehmen ruinös. Die kleinen und mittelständische Unternehmen der Branche sind auf einen hohen Anteil an Fremdkapital zur Finanzierung des ständig zu modernisierenden Fuhrparks angewiesen. Daher verfügen sie nicht über Rücklagen um die erheblichen Mehrkosten aufzufangen. Bei diesen Forderungen ziehen wir alle an einem Strang. Mit dem bdo gibt es dazu einen Austausch auf Präsidial- und Geschäftsführerebene. Und durch unsere Kooperation mit der gbk sind wir auch dazu gut vernetzt, gerade im Hinblick auf eine breite Informationen der Endverbrauchermedien.

Umweltzonen in deutschen Städten

Meine Damen und Herren,
mit dem Inkrafttreten der Feinstaubverordnung zum 1. März 2007, dürfen deutsche Kommunen in Ballungsräumen Umweltzonen einrichten, um die Feinstaubbelastung zu vermindern. Seit Jahresbeginn 2008 wurden bisher in dreizehn deutschen Städten (Köln, Berlin, Dortmund, Hannover, Stuttgart, Mannheim sowie in weiteren Städten in Baden-Württemberg) Umweltzonen eingerichtet. In diese dürfen nur noch Fahrzeuge einfahren, die mind. die Euro II-Norm erfüllen. Ab 2010/2011 sollen Fahrzeuge bis einschließlich Euro III nicht mehr in diese Umweltzonen einfahren dürfen.

Die aktuelle DIHK Saisonumfrage Frühjahr 2008 kommt zu dem gleichen Ergebnis wie der RDA: Die Einfahrbedingungen in die Umweltzonen schädigen das Busgewerbe und damit letztendlich den Städtetourismus. Selbst ältere Reisebusse, die noch nicht über moderne schadstoffreduzierte Motoren verfügen, belasten die Umwelt in den Städten weniger als etwa 20 - 30 Pkw (mit neuesten Motoren), die die gleiche Anzahl an Reisenden befördern. Ganz deutlich muss man auch darauf hinweisen, dass Reisebusse langlebige Investitionsgüter sind, deren Amortisation nicht beliebig verkürzt werden kann. Den Städten muss aber auch klar sein, dass Busrei-severanstalter maßgeblich zum Städtetourismus beitragen und für erhebliche Umsätze in Hotellerie und Gastronomie aber auch dem Einzelhandel sorgen.

Im aktuellen DIHK Saisonbarometer geben 43% der befragten Omnibusunternehmen an, dass sie massiv von den Rahmenbedingungen für die Einfahrt in die Umweltzonen betroffen sind. Rund 27% der Omnibusse sind derzeit von der Einfahrt in die Umweltzonen ausgeschlossen. Rund 40% der befragten Busunternehmen rechnen mit sinkenden Erträgen aufgrund der aktuellen Einfuhrbestimmungen.

Nun hat aktuell der Europäische Gerichtshof verfügt, dass die Bundesbürger in Zu-kunft die kommunalen Behörden per Gerichtsentscheid dazu zwingen können, einen Aktionsplan zu erstellen, der die Luftbelastung durch Feinstaub bekämpft – was nicht einfach ist, denn es gibt keine Universallösung. Betroffene Kommunen befürchten nun die zu erwartende Klagewelle, denn die Feinstaubbelastung zu reduzieren, ist kein leichtes Unterfangen. Einfache Antworten wie Fahrverbote, Umweltzonen oder Straßensperrungen haben zwar für den Verkehr der jeweiligen Städte weitreichende Folgen, ändern aber nur wenig an der Feinstaubbelastung. Den wohl wichtigsten Ein-flussfaktor für die Mikroschwebteilchen kann nämlich keine Stadt der Welt beeinflussen – das Wetter. Jetzt sind die Kommunen mit intelligenten Lösungen gefordert, die über das jetzt gedachte hinausgehen und vor allem den Reisebus nicht aussperren.

Denn der Reisebus gehört zu den umweltfreundlichsten Verkehrsmitteln. Auch der WWF (World Wide Fund For Nature) dokumentiert in einem aktuellen Bericht vom Juli 2008 über die Umweltauswirkungen von Urlaubsreisen, dass, mit der Wahl des Busses als Transportmittel, Emissionen gespart werden können.

Kontakt

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